Dokument: Bernstein versus Pawlow - eine Kontroverse zur Reflextheorie

Titel:Bernstein versus Pawlow - eine Kontroverse zur Reflextheorie
Weiterer Titel:Bernstein versus Pawlow - a controversy over reflex theory
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20210825-105752-5
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Gordeev, Anna [Autor]
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Dateien vom 17.08.2021 / geändert 17.08.2021
Beitragende:Prof. Dr. Dr. Labisch, Alfons [Gutachter]
Prof. Dr. med. Vesper, Jan [Gutachter]
Prof. Dr. Sergeeva, Olga [Gutachter]
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibung:Problemstellung: Bewegung ist ein elementares Merkmal jeglichen Lebens. Es existieren zahlreiche wissenschaftliche Theorien zur Physiologie der Bewegung. Wohlbekannt ist die Reflextheorie und das Reiz- Reaktions- Modell des Gehirns von Ivan P. Pawlow, eines seinerzeit sehr anerkannten sowjetischen Wissenschaftlers. Basis des Modells waren die berühmten Experimente mit dem „Pawlowschen Hund“. Das Gehirn erschien als eindimensionale „Landkarte“ mit verschiedenen Feldern und jeweils zugeordneten Funktionen. Übertragen auf den Menschen, war dieser ebenfalls konditionier- und somit manipulierbar - eine Erkenntnis, die wunderbar in die sowjetische stalinistische Ideologie passte. Demgegenüber stand die Bewegungstheorie Nikolaj A. Bernsteins, eines weitaus weniger anerkannten, weil kaum bekannten sowjetischen Wissenschaftlers, der Bewegung als eine höchst komplexe Kaskade von Entscheidungen sah, die von unzähligen „Freiheitsgraden“ des ursprünglichen Vorhabens bis hin zur individuellen Ausführung führt. Korrelierend dazu postulierte er einen mehrschichtigen Aufbau des Gehirns. Gegenteilig zu Pawlows Sichtweise ist der Mensch in seinen Entscheidungen frei und weitestgehend unabhängig von Reflexen.
1936 lag Bernsteins Werk mit dem Titel „Aktuelle Untersuchungen zur Physiologie neuraler Prozesse“ (Sovremennye iskania w fiziologii nervnogo processa) fertig zur Veröffentlichung vor, wurde jedoch von ihm selbst aus dem Publikationsverfahren zurückgezogen. Einfluss auf die Entscheidung hatten zum Einen die politische Situation - es war die Zeit des „Großen Terrors“, der stalinistischen „Säuberungen“, der (mutmaßliche) Regimegegner, darunter viele Akademiker zum Opfer fielen; zum Anderen die wissenschaftliche Situation - Pawlows öffentliche Anerkennung führte dazu, dass jede Kritik seiner Idee oder seiner Person unerwünscht war. Des Weiteren spielten auch Pietätsgründe eine Rolle: Pawlow starb im selben Jahr. Diese äußeren Umstände gelten in der Rezeptionsforschung jedoch als nicht ausreichend, um Bernsteins weitreichende Entscheidung zu erklären.
Frage: Ist die Entscheidung, dieses für Bernstein so wichtige Werk nicht zu publizieren, aus dem Originaltext inhaltlich und stilistisch nachweisbar? Was machte die Brisanz der Kritik an Pawlow in Hinblick auf damalige Erkenntnisse der Gehirnphysiologie aus?
Material und Methoden: Erstmalige Übersetzung und Analyse des für die Kontroverse maßgeblichen Kapitels des Originalwerks von 1936.
Ergebnisse: Bernsteins Werk war deswegen brisant, weil durch seine experimentellen Methoden und seine theoretischen Ergebnisse die Reflextheorie als umfassende Hirntheorie zurückgewiesen wurde.
Es war ein unverhohlener Angriff, in dem Bernstein durch seine scharfzüngige Diskussion Pawlow inhaltlich und sprachlich bloßstellte: seine Arbeit war zu innovativ und sprachlich zu frech und provokant um im Jahre 1936 ohne schwerwiegenden Konsequenzen zu bleiben. Heutzutage allerdings sind Bernsteins Theorien zur Bewegung empirisch belegt. Er gilt als der Begründer der modernen systemtheoretischen und kybernetischen Bewegungslehre.
Lizenz:In Copyright
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Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät » Institute » Institut für Geschichte der Medizin
Dokument erstellt am:25.08.2021
Dateien geändert am:25.08.2021
Promotionsantrag am:27.01.2020
Datum der Promotion:12.08.2021
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