Dokument: Die frühgotische Holz- und Steinplastik in Köln. Bezüge, Aufgaben, Stil

Titel:Die frühgotische Holz- und Steinplastik in Köln. Bezüge, Aufgaben, Stil
Weitere Titel:Early gothic sculpture in Cologne. Relations, references, functions, style
La sculpture du gothique primitif en bois et en pierre à Cologne. Rapports, fonctions, style
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20080502-090228-2
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor:Dr. Tofahrn, Silke [Autor]
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Dateien vom 24.04.2008 / geändert 24.04.2008
Beitragende:Prof. Dr. Körner, Hans [Gutachter]
Prof. Dr. Wiener, Jürgen [Gutachter]
Stichwörter:Skulptur, Plastik, Frühgotik, Gotik, Romanik, Kulturtransfer, Stukturanalyse, Stilvergleich, religiöse Kunst, Bauplastik, Portalplastik, Grabplastik, Tympanon, Rheinland, Frankreich, 1150-1200, Early Gothic, Romanesque, porch sculpture, tympanum, wood sculpture, tomb, relief structure, Cologne, Rhineland, France
Dewey Dezimal-Klassifikation:700 Künste und Unterhaltung » 730 Plastik, Keramik, Metallkunst
Dokumententyp (erweitert):Dissertation
Beschreibungen:Die frühgotische Holz- und Steinplastik in Köln. Bezüge, Aufgaben, Stil

Der Ausgangspunkt der Analyse ist die Erkenntnis, dass nach einer Phase geringer architektonischer und plastischer Aktivität in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts um 1160 im Rheinland relativ unvermittelt großformatige Bauplastik auftaucht. Zum ersten Mal manifestieren sich in Köln figurierte Tympana genauso wie Holzstatuen und Grabmäler, die in Qualität, Struktur und ihren Aufgaben deutlich von der ottonischen und salischen Steinplastik differieren. Dieses Phänomen steht im Zusammenhang mit dem Aufkommen der frühgotischen Skulptur an den Westportalen von Chartres. Diese stellt eine paradigmatische Wende in der Skulpturenauffassung dar und hat unmittelbare Auswirkungen auf die Plastik nicht nur in Frankreich selbst, sondern auch in Oberitalien und Spanien. Der Einfluss östlich des Rheins wurde von der Forschung indes zumeist mit Verweisen auf den dominierenden Einfluss der Kleinplastik und der lokalen Traditionen negiert.
Die Dissertation gliedert sich in vier Teile: Sie beginnt mit einer Begriffsbestimmung der „Kölner“ Plastik, der Begriff „Frühgotik“ wird in Anlehnung an Wilhelm Messerer anhand von Reliefstrukturen und Figurenauffassungen definiert und die zeitliche und geographische Eingrenzung begründet. Dann wird der historische Rahmen unter dem Gesichtspunkt der Kunstrezeption abgesteckt und untersucht, wie das Wissen über Kunst im 12. Jahrhundert nach Köln vermittelt wurde.
Der zweite, rezeptionsgeschichtliche Teil befasst sich mit der Frage nach den Stilquellen der rheinischen Skulptur nach der Mitte des 12. Jahrhunderts. Die kunsthistorische Literatur bietet drei Herleitungen für ihre Entstehung: Einige Autoren sehen die Vorbilder in der lokalen ottonischen Stein- und/oder Elfenbeinplastik. Andere erklären die maasländische Goldschmiedekunst zum Modell. Dabei drängt sich kontinuierlich die Frage auf, wie und ob andere Gattungen überhaupt auf die Stein- und Holzbildhauerei Einfluß genommen haben können. Ein Exkurs behandelt zudem den Begriff „Byzanz“, der als Worthülse mit flexiblen Bedeutungsinhalten durch den kunsthistorischen Diskurs geistert. Ein dritter Forschungsstrang verweist auf Zusammenhänge zu anderen Kulturlandschaften, insbesondere zu Nordfrankreich oder auch Burgund. Bei den konkreten Vergleichen exemplarischer Werke aus den drei angenommenen vorbildlichen Bereichen wird deutlich, dass die wenigsten der scheinbaren Parallelen einer Überprüfung standhalten.
Im dritten und umfangreichsten Teil der Arbeit werden die Hauptwerke der kölnischen Großplastik in ihren Bezügen zueinander dargestellt, ihre immanenten Charakteristika erarbeitet, sowie Probleme der Datierung und Ikonographie diskutiert. Einzelheiten der Figurenbildung, des Gewand-Körper-Verhältnisses, der Plastizität und der Reliefauffassung werden ebenso untersucht wie die Komposition, die Narration, die Umsetzung der Ikonographie und der Betrachterbezug.
Der vierte Teil geht den in der Literatur genannten französischen Vorbildern nach und überprüft sie durch konkrete Gegenüberstellungen. Darüber hinaus werden weitere Vergleiche mit französischer Portalplastik aber auch mit Innenraumskultpuren angestellt. Die in diesem Zusammenhang relevanten Skulpturen befinden sich u.a. in Saint-Denis, Chartres, La-Charité-sur-Loire, Saint-Menoux, Bourges, Le Mans, Angers, Paris, Vermenton, Dijon, und Senlis. Es erweist sich, dass das Portal DER Ort der Innovation frühgotischer Plastik ist, an der sich auch die rheinischen nicht-bauplastischen Arbeiten orientieren.
Diese Untersuchung erbringt den Nachweis, dass entgegen der bisher herrschenden Lehrmeinung die meisten Phänomene der rheinischen Holz- und Steinskulptur aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ohne die Übernahme von Motiven und inhärenten Strukturen der französischen Portalplastik nicht zu verstehen sind. Dies betrifft insbesondere die spezifische Körper,- Raum-, und Reliefauffassung sowie die Erzählformen. So ist es anhand der Ergebnisse gerechtfertigt, den Beginn der frühgotischen Plastik Kölns von der Wende zum 13. Jahrhundert drei bis vier Jahrzehnte nach vorne zu verlegen, und die bislang als romanisch bezeichneten Werke endlich auch in der deutschen Forschung in den Kreis der gotischen Skulptur aufzunehmen.

Early gothic sculpture in Cologne. Relations, references, functions, style

This analysis is based on the finding that after a period of relatively little architectural and sculptural activity in the first half of the 12th century, suddenly at around 1160 great-scale architectural sculpture emerges in Cologne. For the first time sculptural tympana and tombs as well as wooden statues appear in Cologne which differ greatly regarding quality, structure and function from Ottonian and Salic stone figures. This phenomenon should be regarded in conjunction with the rise of early gothic sculpture of the west portals of Chartres. These sculptures imply a paradigmatic change in the understanding of sculpture and have imminent influences not only on the sculptural work in France but also in Upper Italy and Spain. Up to now art historical research has negated the influences of early gothic sculpture on territories east of the Rhine River, but instead has concentrated solely on the influence of small-scale sculpture and local traditions.
This dissertation is subdivided into four parts: Starting with a working definition of “Cologne sculpture”, the term "early gothic" is defined according to Wilhelm Messerer’s understanding of relief structures und sculpturality. What follows are a discussion of the historical frame under the aspect of art historical reception and an examination of the means of mediation of artistic knowledge in Cologne in the 12th century.
The second part deals with the question of the possible sources of the sculpture of the 2nd part of the 12th century in the Rhineland. Art historical literature offers three options: Some authors find precursors in local Ottonian stone and ivory sculpture. Others see the paradigm in the art of goldsmithing of the area of the Meuse valley. However, the question remains how and if other art genres even had any influence on wood and stone sculpture at all. A third group of researches draws attention to the interrelationship of different cultural landscapes such as Northern France and Burgundy. However, after a careful analysis of exemplary works, none of the three explanatory models can be completely verified.
In the third part of the dissertation the main works of great-scale sculpture in Cologne are presented, their immanent characteristics are emphasized, and questions concerning date and iconography are discussed. This includes inter alia a thorough examination of three-dimensionality, relation of body and drape, relief, composition, narration and iconology.
The fourth part reviews the possible French prototypes by means of a precise confrontation. Comparisons are drawn between French porch sculptures and also interior sculptures. Relevant sculptures are to be found in Saint-Denis, Chartres, La-Charité-sur-Loire, Saint-Menoux, Bourges, Le Mans, Angers, Paris, Vermenton, Dijon and Senlis. The church porch turns out to be THE site of innovation of early gothic sculpture that even influences non-architectural sculptures of the Rhineland.
This examination demonstrates that contrary to the academic doctrine most phenomena and characteristics of the wood and stone sculpture of the Rhineland of the second half of the 12th century are inexplicable without the adoption of motifs and inherent structures of French porch sculpture. Therefore the starting point of early gothic sculpture in Cologne needs to be (re)set at around 1160 and sculptures that so far have been considered as romanic works should be properly redefined as early gothic art.

La sculpture du gothique primitif en bois et en pierre à Cologne. Rapports, fonctions, style

L’étude part du constat que l’on voit apparaître en Rhénanie, vers 1160, de façon relativement soudaine, la sculpture de grand format, après une période de faible activité sculpturale et architecturale dans la première moitié du XIIe siècle. On trouve pour la première fois à Cologne des tympans et des tombeaux figurés et des statues en bois se distinguant de la sculpture en pierre ottonienne et salique par leur qualité, leur structure et leurs fonctions. Ce phénomène est lié à l’apparition de la sculpture gothique au portail ouest de Chartres. Celle-ci implique un changement paradigmatique de la conception sculpturale et entraîne des conséquences non seulement pour la sculpture en France mais aussi pour la sculpture en Haute-Italie et en Espagne. Les chercheurs ont plutôt nié cette influence à l’est du Rhin, invoquant notamment l’influence dominante de la petite statuaire (Kleinplastik) et des traditions locales.
La thèse comporte quatre parties.
Elle s’ouvre par une définition de la sculpture à Cologne. L’expression « gothique primitif » (Frühgotik) est définie en référence à Wilhelm Messerer en se fondant sur des structures en relief et sur la conception des statues, et en tenant compte des limites chronologiques et spatiales. Ensuite est posée la question de la transmission des connaissances artistiques à Cologne au XIIe siècle.
La deuxième partie est consacrée plus particulièrement à l’histoire de la réception, et l’auteur s’interroge sur l’origine du style de la sculpture rhénane dans la deuxième moitié du XIIe siècle. L’historiographie a proposé trois sources d’inspiration possibles: certains chercheurs pensent que le modèle réside dans la sculpture de pierre et d’ivoire locale ottonienne. D’autres optent plutôt pour l’orfèvrerie mosane. Ces thèses soulèvent la question de savoir si d’autres formes d’art ont pu avoir une influence sur la sculpture en pierre et en bois en général. Une digression traite la notion d’art « byzantin », notion assez vague ayant des significations tout à fait variées. Un troisième axe de recherche évoque les rapports interrégionaux, notamment avec le nord de la France et la Bourgogne. Ces rapprochements sont généralement infirmés par l’étude des cas concrets.
La troisième et plus vaste partie de la thèse est consacrée aux chef-d’œuvres de la sculpture de Cologne avec ses caractéristiques intrinsèques, et également aux problèmes de datation et d’iconographie. Les détails de conception des statues comme le rapport corps-vêtement, la plasticité et le relief, la composition, la narration et le rapport avec le spectateur sont également étudiés.
La quatrième partie traite des modèles français cités dans la bibliographie et les confronte à la sculpture à Cologne. De plus, les comparaisons sont faites avec les autres sculptures françaises relevant aussi bien de la décoration architecturale que de la sculpture destinée à l’intérieur des églises. Les œuvres considérées comme pertinentes dans ce contexte se trouvent entre autres à Saint-Denis, Chartres, La-Charité-sur-Loire, Saint-Menoux, Bourges, Le Mans, Angers, Paris, Vermenton, Dijon et Senlis. Le portail est LE lieu de l’innovation sculpturale au Moyen Age. Ce modèle est aussi valable pour les sculptures rhénanes produites hors du contexte de la décoration architecturale.
Cette enquête prouve que contrairement aux théories établies, la sculpture rhénane en bois et en pierre de la deuxième partie du XIIe siècle n’est pas compréhensible si l’on ne prend pas en compte certains motifs et structures inhérents à la sculpture française. Cela concerne notamment la conception du corps, de l’espace et du relief ainsi que la narration. Il est donc justifié d’antidater le début de la sculpture gothique à Cologne du tournant du XIIIe siècle à 1160-1170. Les œuvres d’art jusqu’à présent qualifiées de romanes dans la recherche allemande peuvent désormais être considérées comme sculptures gothiques.
Bezug:1150-1200
Fachbereich / Einrichtung:Philosophische Fakultät » Seminar für Kunstgeschichte
Dokument erstellt am:24.04.2008
Dateien geändert am:24.04.2008
Promotionsantrag am:17.04.2007
Datum der Promotion:29.10.2007
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