Dokument: Untersuchung und Evaluierung von digitalen Werkzeugen für die kompetente medikamentöse Betreuung von Patientinnen und Patienten in der öffentlichen Apotheke

Titel:Untersuchung und Evaluierung von digitalen Werkzeugen für die kompetente medikamentöse Betreuung von Patientinnen und Patienten in der öffentlichen Apotheke
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20260616-122827-0
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Dabidian-Heine, Armin [Autor]
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Dateien vom 03.05.2026 / geändert 03.05.2026
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibung:Multimorbidität stellt eine zentrale Herausforderung für das deutsche Gesundheitssystem dar und wird sich aufgrund der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Mit der wachsenden Zahl an älteren Menschen und damit der Zahl chronischer Erkrankungen nimmt auch die Zahl der einzunehmenden Arzneimittel zu. Diese gleichzeitige Einnahme vieler Arzneistoffe wird auch als Polypharmazie bezeichnet und birgt das Risiko unerwünschter Ereignisse, die unter anderem mit einer erhöhten Hospitalisierungs- und Mortalitätsrate verbunden sind. Zur Identifikation und Prävention arzneimittelbezogener Probleme (ABP) ist die Expertise von Apothekerinnen und Apothekern erforderlich, die beispielsweise durch Medikationsanalysen die Arzneimitteltherapie systematisch überprüfen. Seit 2022 haben Patientinnen und Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung Anspruch auf die „Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“, eine pharmazeutische Dienstleistung (pDL), die eine strukturierte Medikationsanalyse einschließt. Da solche Analysen je nach Patientenfall komplex und zeitintensiv sein können, gewinnen klinische Entscheidungshilfesysteme (CDSS) an Bedeutung, die Apothekerinnen und Apotheker bei der Durchführung unterstützen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Auswirkungen des Einsatzes eines digitalen CDSS auf Medikationsanalysen zu untersuchen.
Zunächst wurde eine randomisierte, kontrollierte Studie mit Pharmaziestudierenden des achten Semesters durchgeführt. Nach der Randomisierung in Interventions- und Kontrollgruppe führten beide Gruppen zunächst eine Medikationsanalyse ohne Einsatz eines digitalen CDSS durch. Im Anschluss erhielten beide Gruppen eine Schulung zum digitalen CDSS „MediCheck Education“. Daraufhin erfolgte eine zweite Medikationsanalyse, wobei die Interventionsgruppe das digitale CDSS nutzen durfte, während die Kontrollgruppe weiterhin ohne Unterstützung arbeitete. Die Ergebnisse zeigten: Unter gleichen Bedingungen unterschieden sich Interventions- und Kontrollgruppe nicht in der Qualität ihrer Medikationsanalysen. Mit Einsatz des digitalen CDSS konnte die Interventionsgruppe jedoch qualitativ bessere Analysen durchführen als die Kontrollgruppe. Zudem berichteten die Studierenden, dass sie sich durch die Nutzung des Systems nicht nur sicherer fühlten, sondern auch die Analyse schneller durchführen konnten.
Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Studie wurde eine zweite prospektive, randomisierte Cross-over-Studie mit Apothekerinnen und Apothekern aus ganz Deutschland durchgeführt. Ziel war es, die Auswirkungen digitaler CDSS auf die Durchführung von Medikationsanalysen zu untersuchen. Aus den Rückmeldungen der Studierenden der Lehrstudie wurde die Hypothese generiert, dass digitale CDSS die Bearbeitungszeit von Medikationsanalysen verkürzen könnten. Dies ist ein entscheidender Aspekt für die Implementierung von Medikationsanalysen in Offizinapotheken, in denen Zeit und Personalressourcen knapp bemessen sind. Insgesamt wurden 71 Apothekerinnen und Apotheker rekrutiert und randomisiert zwei Gruppen zugeteilt. Der Studienzeitraum erstreckte sich über vier Tage. An den Studientagen 1 und 3 erhielten die Teilnehmenden jeweils eine Schulung. An den Tagen 1 und 2 führten sie eine Medikationsanalyse ohne Einsatz des digitalen CDSS „MediCheck“ durch, während an Tag 4 eine Analyse mit Unterstützung von „MediCheck“ erfolgte. Der primäre Endpunkt war die für die Analyse benötigte Zeit, der sekundäre Endpunkt die Anzahl relevanter ABP, die für jeden Patientenfall im Vorfeld definiert wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmenden mit dem digitalen Unterstützungswerkzeug „MediCheck“ die Medikationsanalysen nicht nur signifikant schneller, sondern auch qualitativ besser mit einer höheren Anzahl detektierter relevanter ABP durchführten.
Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass digitale CDSS die Durchführung von Medikationsanalysen quantitativ und qualitativ positiv beeinflussen können. Dies könnte die weitere Etablierung von Medikationsanalysen in Offizinapotheken in Deutschland fördern und damit Patientinnen und Patienten zugutekommen. Zudem erscheint es sinnvoll, digitale Werkzeuge in das Curriculum des Pharmaziestudiums zu integrieren, um eine praxisorientierte und zeitgemäße Ausbildung zukünftiger Apothekerinnen und Apotheker sicherzustellen.
Lizenz:Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Fachbereich / Einrichtung:Mathematisch- Naturwissenschaftliche Fakultät » WE Pharmazie » Klinische Pharmazie und Pharmakotherapie
Dokument erstellt am:16.06.2026
Dateien geändert am:16.06.2026
Promotionsantrag am:06.11.2025
Datum der Promotion:15.04.2026
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