Dokument: Optimierung der Stoffwechseleinstellung mittels Spritzstellensonographie zur Früherkennung von "inneren Lipodystrophien" im subkutanen Fettgewebe bei Erwachsenen mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus

Titel:Optimierung der Stoffwechseleinstellung mittels Spritzstellensonographie zur Früherkennung von "inneren Lipodystrophien" im subkutanen Fettgewebe bei Erwachsenen mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus
Weiterer Titel:Optimization of metabolic control using injection-site sonography for the early detection of “internal lipodystrophies” in subcutaneous adipose tissue in adults with insulin-dependent diabetes mellitu
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20260330-163029-4
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Sandig-Hörner, Ricarda [Autor]
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Dateien vom 25.03.2026 / geändert 25.03.2026
Beitragende:Prof. Dr. med. Meissner, Thomas [Gutachter]
Prof. Dr. med. Martin, Stephan [Gutachter]
Stichwörter:Diabetes mellitus, innere Lipodystrophie, Spritzstellensonographie
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibungen:Lipodystrophien (LD) sind definiert als mit einer Prävalenz von 35-45 % durch wiederholte Insulininjektionen auftretende, inspektorisch und palpatorisch erkennbare Veränderungen des Subkutangewebes bei Personen mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus. Durch Injektion in diese LD-Areale können unvorhersehbare Blutzuckerschwankungen ausgelöst werden. Bei äußerlich unauffälligen Spritzstellen können sonographisch Veränderungen in der Subkutis nachweisbar sein, welche im Gegensatz zu den klassischen „äußeren“ LD im Folgenden als „innere“ Lipodystrophien (i-LD) bezeichnet werden und deren Pathogenese wie auch funktionelle Relevanz für die Insulinbehandlung in weiten Teilen noch unklar ist.

Mit der vorliegenden Pilotstudie wurde auf dem Boden einer prospektiven Beobachtungs- und Interventionsstudie an 41 Teilnehmern mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus untersucht, inwiefern durch die sonographische Diagnose von i-LD bei makroskopisch unauffälligen Spritzstellen und der individuellen Sonographie-gestützten Anleitung zur Auswahl i-LD-freier Spritzstellen eine direkte Verbesserung der glykämischen Kontrolle, definiert durch niedrigere postprandiale Glukosewerte als primary outcome und mehr Zeit im Zielbereich (TIR, 70-180 mg/dl), weniger BZ-Schwankungen (mit GV mit dem CV = coefficient of variation und der ADRR = average daily risk range) sowie niedrigere HbA1c-Werte als secondary outcome erzielt werden konnte. Die Teilnehmer wurden randomisiert dem Kontrollarm (KA, n = 17) ohne Sonographie oder dem Interventionsarm (IA, n = 24) mit Sonographie zugeordnet und letztere Gruppe sonographisch auf das mögliche Vorliegen echoreicher Veränderungen in der Subkutis untersucht. Die Teilnehmer des KA erhielten eine Beratung zu korrekten Spritzstellenrotation ohne Sonographie. Die Datenerfassung erfolgte mittels continuous glucose monitoring (CGM) sowie eines Patiententagebuches.
Genau wie bei der klassischen äußeren LD war auch bei Nachweis von i-LD im Bereich der Injektionsstelle eine schlechtere Stoffwechseleinstellung zu beobachten. Als primäres Auswertekriterium wurden die spät‑postprandialen Glukosewerte zugrunde gelegt, diese waren definiert als der Zeitraum ≥3 Stunden nach der letzten Mahlzeit bis ½ Stunde vor der nächsten Mahlzeit. Bei Vorliegen von i-LD reduzierte sich im IA die mediane Glukose um 12,4 %, von 145 ± 55,3 mg/dl in Woche 1 auf 127 ± 49,6 mg/dl nach Spritzstellenwechsel in ein i-LD-freies Areal in Woche 2. Bei Fehlen von i-LD reduzierten sich die Werte im IA nur um 1,4 % und im KA mit unbekanntem i-LD-Status um 3,2 %. Der Gesamtinsulinbedarf lag bei Vorhandensein von i‑LD mit 0,7 ± 0,24 IE/kg höher als in der non i-LD-Gruppe mit einem Bedarf von nur 0,5 ± 0,15 IE/kg. Auffällig war, dass die Teilnehmer mit i-LD auch in Woche 2 bei Injektion in die i-LD-freien Injektionsstellen mit 0,6 ± 0,18 IE/kg immer noch einen höheren Insulinbedarf aufwiesen als die Teilnehmer ohne i-LD. Die i-LD waren mit einer schlechteren TIR von 50-60 % assoziiert, im Gegensatz zu i-LD-freien Teilnehmern mit einer TIR von 65-75 %. Der berechnete HbA1c lag in der Gruppe mit i-LD bei 7,0 % und bei Fehlen von i-LD bei 6,7 %.
Es wurde nur dann eine Optimierung von Glykämie und Insulinverbrauch beobachtet , wenn von einem i-LD Areal in ein i-LD-freies Areal gewechselt wurde, nicht aber bei Wechsel innerhalb i-LD freier Areale. Der Nachweis von i-LD als sonomorphologisches Korrelat einer möglicherweise fokalen Insulinresistenz mit klinischen Auswirkungen sollte gezielt weiter untersucht werden.

Lipodystrophies (LD) are defined as subcutaneous tissue changes in individuals with insulin-dependent diabetes mellitus, occuring with a prevalence of 35-45 % and being detectable by inspection and palpation. Repeated injections into LD areas provoke unpredictable glucose fluctuations. However, sonographic changes in the subcutaneous tissue may be detected even in injection sites that appear clinically unremarkable. These changes are referred to below as “internal” lipodystrophies (i-LD), in contrast to the classic visible "external" LD and their pathogenesis and functional relevance for insulin treatment remain to be elucidated.

This prospective observational and interventional study of 41 participants with insulin-dependent diabetes mellitus investigated the influence of sonographic diagnosis of i-LD in macroscopically unremarkable injection sites and individual sonography-supported guidance for the selection of LD-free injection sites: we analyzed whether this could achieve an improvement in glycemic control, defined by lower postprandial glucose levels as the primary outcome and more time in the target range (TIR, 70-180 mg/dl), fewer blood glucose fluctuations (with GV using the CV = coefficient of variation and the ADRR = average daily risk range), and lower HbA1c values as the secondary outcome. Participants were randomly assigned to the control group (KA, n = 17) without sonography or the intervention group (IA, n = 24) with sonography for the possible presence of hyperechoic changes in the subcutaneous tissue. Data were collected using continuous glucose monitoring (CGM) and a written patient diary.

Just as with conventional external LD, metabolic control was worse in patients with i-LD. Late postprandial glucose levels were used as the primary evaluation criterion; defined as the period from ≥3 hours after the last meal to 30 minutes before the next meal. In the presence of i-LD, median glucose in the IA decreased by 12.4 %, from 145 ± 55,3 mg/dl in week 1 to 127 ± 49,6 mg/dl after changing the injection sites to an i-LD-free area in week 2. In the absence of i-LD, glucose values decreased only by 1.4 %. The KA with unknown i-LD status, showed a 3.2 % reduction. The total daily insulin requirement was highest in the presence of i-LD with 0,7 ± 0,24 IU/kg, while in the non-i-LD group, it was 0,5 ± 0,15 IU/kg. Notably, even in week 2, participants with i-LD still had higher insulin requirements of 0.6 IU/kg than participitants without i-LD, even when injecting into the i-LD-free injection sites. The presence of i-LD was associatetd with a worse TIR of 50-60 %, compared to a TIR of 65-75 % in i-LD-free participants. The calculated HbA1c was 7.0 % in the i-LD group and 6.7 % in the absence of i-LD.

The injection site change led to a optimization of glycemia and insulin requirements when switching from an i-LD to an i-LD-free area, but not when switching within i-LD-free areas. The detection of i-LD as a sonomorphological correlate of a possible focal insulin resistance with clinical implications should be further investigated.
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Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät
Dokument erstellt am:30.03.2026
Dateien geändert am:30.03.2026
Promotionsantrag am:06.08.2025
Datum der Promotion:24.03.2026
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