Dokument: Der Effekt des Sphingosin-1-Phosphat-Modulators Siponimod auf das mikrogliale Zellverhalten

Titel:Der Effekt des Sphingosin-1-Phosphat-Modulators Siponimod auf das mikrogliale Zellverhalten
Weiterer Titel:The effect of the sphingosine-1-phosphate modulator siponimod on microglial cell behavior
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20260311-075947-1
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Lein, Ferdinand [Autor]
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Dateien vom 13.02.2026 / geändert 13.02.2026
Beitragende:Prof. Dr. Küry, Patrick [Gutachter]
Prof. Dr. Germing, Ulrich [Gutachter]
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibungen:Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronisch-entzündliche
Autoimmunerkrankung, ihr Verlauf ist meist schubförmig und progredient. Mit fast drei
Millionen Erkrankten weltweit ist sie ursächlich für viele Behinderungen und Todesfälle,
die genaue Pathogenese bleibt jedoch weiterhin unklar. Die meisten Therapien zielen darauf
ab, autoimmune Charakteristika der MS zu stoppen, nach aktuellen Daten schreiten jedoch
neurotoxische Prozesse fort und Regenerationsprozesse können den entstandenen Schaden
nach wie vor nicht reparieren. Dahingehend wies der neue Immunmodulator Siponimod
(BAF312) in präklinischen Studien das Potential auf, neuroprotektive und
antiinflammatorische Effekte zu induzieren. Mikroglia sind für die Immunüberwachung und
Homöostase im zentralen Nervensystem essenziell und spielen eine Schlüsselrolle in der
neuronalen Plastizität. Im Rahmen der MS agieren sie als Vermittler zwischen pro- und
antiinflammatorischen Prozessen und beeinflussen so Entzündung, Demyelinisierung und
Gewebeschädigung, aber auch Regenerations- und Remyelinisierungsprozesse, wodurch sie
in der Pathogenese chronisch-entzündlicher Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose
mitwirken. Ziel der Dissertation war es daher, den Einfluss von Siponimod auf mikrogliale
Zellen genauer zu charakterisieren. Dazu wurden Experimente an der murinen BV2-Zelllinie
und an primären Mikrogliazellen von Ratten durchgeführt. Untersucht wurden sowohl die
Genexpression relevanter Marker als auch die zellulären bzw. morphologischen Antworten
unter verschiedenen Bedingungen, einschließlich eines entzündungsähnlichen Milieus. Die
Ergebnisse zeigen, dass Siponimod dosisabhängig vielseitige Effekte auf die Expression
pro- und antiinflammatorischer Gene bewirkt. In den BV-2-Zellen führte dies vor allem zu
einer Induktion neuroprotektiver Marker, während in den Rattenmikrogliazellen die
Reaktion auf eine proinflammatorische Stimulation moduliert wird. Dies lässt sich neben
der transkriptionellen Ebene auch immunzytochemisch bestätigen, wobei iNOS als Marker
für inflammatorisch aktivierte Zellen genutzt wurde.
Die vorliegende Arbeit betont die Bedeutung von Siponimod als potenzielles Therapeutikum
für entzündliche ZNS-Erkrankungen. Neben der bekannten Wirkung auf periphere T-Zellen
zeigt die Arbeit eine direkte Wirkung auf mikrogliale Zellen, die über die alleinige
Reduktion von Entzündungsmarkern hinausgeht, um potenziell Regenerationsprozesse zu
initiieren. Diese Erkenntnisse leisten einen Beitrag zur Entwicklung gezielterer Therapien
und vertiefen gleichzeitig das Verständnis der Rolle von Mikroglia in ZNS-Pathologien wie
der Multiplen Sklerose.

Multiple sclerosis (MS) is the most common chronic inflammatory autoimmune disease,
characterized by a relapsing and progressive course. With nearly three million affected
individuals worldwide, MS is a major cause of disability and mortality, yet its precise
pathogenesis remains unclear. Most current therapies aim to suppress the autoimmune
characteristics of MS; however, recent data indicate that neurotoxic processes continue to
progress, and regenerative mechanisms remain insufficient to repair the resulting damage.
In this context, the novel immunomodulator Siponimod (BAF312) has demonstrated the
potential to induce neuroprotective and anti-inflammatory effects in preclinical studies.
Microglia play a crucial role in immune surveillance and homeostasis within the central
nervous system (CNS) and are key regulators of neuronal plasticity. In MS, they act as
mediators between pro- and anti-inflammatory processes, thereby influencing inflammation,
demyelination and tissue damage, as well as regenerative and remyelination processes.
Consequently, microglia are central to the pathogenesis of chronic inflammatory diseases
such as MS. This dissertation aims to further characterize the effects of Siponimod on
microglial cells. Experiments were conducted using the murine BV2 cell line and primary
rat microglia, analyzing gene expression of relevant markers and cellular/morphological
responses under various conditions, including an inflammation-like milieu.
The results indicate that Siponimod exerts dose-dependent and diverse effects on the
expression of pro- and anti-inflammatory genes. In BV2 cells, this predominantly leads to
the induction of neuroprotective markers, while in primary rat microglia, Siponimod
modulates the response to pro-inflammatory stimulation. These findings were further
confirmed using immunocytochemical analyses, with iNOS serving as a marker for
inflammatory activation.
The present study highlights the significance of Siponimod as a potential therapeutic agent
for inflammatory CNS diseases. Beyond its established effects on peripheral T cells, the
study demonstrates a direct impact on microglial cells that extends beyond the reduction of
proinflammatory markers, potentially initiating regenerative processes. These insights
contribute to the development of more targeted therapies for diseases such as MS while
deepening the understanding of microglial involvement in CNS pathologies like multiple
sclerosis.
Lizenz:Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät
Dokument erstellt am:11.03.2026
Dateien geändert am:11.03.2026
Promotionsantrag am:30.06.2025
Datum der Promotion:05.02.2026
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