Dokument: Untersuchungen zur perioperativen Risikostratifizierung und Prognoseabschätzung bei Patient*innen mit orthotoper Herztransplantation

Titel:Untersuchungen zur perioperativen Risikostratifizierung und Prognoseabschätzung bei Patient*innen mit orthotoper Herztransplantation
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20260330-165638-4
Kollektion:Publikationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Habilitation
Medientyp:Text
Autor:Dr. med. M‘Pembele, René [Autor]
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Dateien vom 05.02.2026 / geändert 05.02.2026
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibung:Die HTX stellt trotz Fortschritten in der medikamentösen Therapie weiterhin die einzige
kurative Therapie der terminalen Herzinsuffizienz dar. Angesichts des Mangels an
Spenderorganen ist eine präzise Prognoseabschätzung und Risikostratifizierung von
entscheidender Bedeutung. Traditionell wurde der Erfolg einer HTX überwiegend anhand der
Mortalität bewertet. Zunehmend gewinnen jedoch patientenzentrierte Endpunkte, die
zusätzlich zur Mortalität auch die Lebensqualität der Patienten abbilden können, an
Bedeutung. Einer dieser patientenzentrierten Endpunkte ist DAOH. In dieser kumulativen
Habilitationsschrift wurden zentrale Risikofaktoren identifiziert, die einen Einfluss auf DAOH
bei Patient*innen nach HTX haben. Ein zusätzlicher Fokus lag dabei auf der Rolle
postoperativer Organdysfunktionen und der prognostischen Bedeutung postoperativ
gemessener Biomarker.
Diese Arbeit basiert auf sechs retrospektiven Kohortenstudien, die Patient*innen einschlossen,
die sich zwischen 2010 und 2023 am Universitätsklinikum Düsseldorf einer HTX Operation
unterzogen haben. Die Datenerhebung erfolgte aus einer prospektiven HTX-Datenbank der
Klinik für Herzchirurgie. Diese Datenbank wurde durch gezielte Variablenextraktion aus der
digitalen Patientenakte ergänzt. Eine zentrale Rolle spielte die Validierung von DAOH als
patientenzentrierter Endpunkt nach HTX. Weitere Untersuchungen analysierten den Einfluss
einer Reanimation der Organspender*innen auf die Mortalität und DAOH nach HTX, die
Auswirkungen einer VA-ECMO-Therapie bei PGD auf DAOH und Mortalität nach HTX,
Risikofaktoren für eine dialysepflichtige AKI nach HTX bei präoperativ erhaltener
Nierenfunktion, sowie die prädiktive Rolle von postoperativem Troponin T und postoperativem
Albumin für die Mortalität und DAOH nach HTX. Für diese Analysen wurden multivariate
Regressionsmodelle und ROC-Analysen verwendet um assoziierte Risikofaktoren zu
identifizieren und die prognostischen Wertigkeiten zu untersuchen.
Der Endpunkt DAOH wurde in einer retrospektiven Kohorte von HTX Patient*innen validiert.
Eine Diabeteserkrankung, eine präoperativ eingeschränkte Nierenfunktion, eine längerer
Beatmungsdauer und eine postoperative Dialysepflichtigkeit zeigten in diesem Kontext eine
unabhängige Assoziation mit niedrigen DAOH nach HTX. Eine vorherige Reanimation der
Organspender*innen zeigte hingegen keinen signifikanten Einfluss auf DAOH oder Mortalität.
In der Untersuchung zum Einfluss von VA-ECMO Therapie bei PGD zeigte sich bei HTX
Patient*innen, die erfolgreich von der VA-ECMO entwöhnt werden konnten, eine vergleichbare
Mortalität zur Kontrollgruppe. Dennoch war die VA-ECMO Therapie mit signifikant niedrigeren
DAOH Werten assoziiert. Die Untersuchung zur postoperativen Dialysepflichtigkeit von HTX
Patient*innen mit initial erhaltener Nierenfunktion ergab eine Inzidenz von fast 45,6 %.
Wesentliche assoziierte Risikofaktoren waren die postoperative Dauer der Noradrenalin-Therapie, sowie ein starker postoperativer Anstieg der Tacrolimus-Plasmakonzentration.
Bezüglich der Untersuchungen zu den postoperativ gemessenen Biomarkern zeigte Troponin
T, insbesondere 48 Stunden postoperativ, eine starke prognostische und prädiktive Wertigkeit
für die 1-Jahres-Mortalität, sowie eine signifikante Assoziation mit niedrigeren DAOH. Ebenso
wies postoperatives Serumalbumin unter 2,95 g/dl eine starke Assoziation mit erhöhter
Mortalität und reduzierten DAOH auf. Die Erweiterung herkömmlicher Risikomodelle (z. B.
IMPACT-Score und den MELD-Score) um Biomarker wie Troponin oder Albumin verbesserte
die Vorhersagequalität der etablierten Risikomodelle signifikant.
Zusammenfassend identifizierten die vorliegenden Arbeiten DAOH als validen Endpunkt nach
HTX, der zum einen von präoperativen Variablen als auch maßgeblich durch postoperative
Komplikationen nach HTX beeinflusst wird. DAOH scheint als patientenzentrierter Endpunkt
herkömmliche Endpunkte wie die Mortalität gut zu ergänzen, um den Einfluss einer HTX auf
das Leben von Patient*innen abzubilden. Weitere Studien werden benötigt, um den
Zusammenhang von DAOH und weiteren patientenzentrierten Endpunkten, die die
Lebensqualität nach HTX erfassen vollständig zu charakterisieren. Eine perioperative
Organdysfunktion wie die PGD und die schwere AKI wurden als relevante Komplikationen
identifiziert, die zum einen das Überleben aber auch patientenzentrierte Endpunkte negativ
beeinflussen. Folgende Studien sollten sich auf die Entwicklung von Strategien konzentrieren,
um das Auftreten dieser Komplikationen zu verhindern. Zusätzlich konnte demonstriert
werden, dass postoperative Biomarker wie Troponin und Albumin zur Prognoseabschätzung
für die 1-Jahres Mortalität und DAOH beitragen. Diese aus den vorliegenden Arbeiten
gewonnenen Erkenntnisse, könnten in Zukunft die Erstellung neuer Risikoprädiktionsmodelle
unterstützen und somit die Versorgung von HTX Patient*innen in Deutschland verbessern.
Lizenz:Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät
Dokument erstellt am:30.03.2026
Dateien geändert am:30.03.2026
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