Dokument: Psychotherapeutische Sprechstunde am Arbeitsplatz (PT-A) in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Präferenzen der Beschäftigten zu organisatorischen Rahmenbedingungen, Barrieren und aktuelle Einblicke – eine qualitative Studie
| Titel: | Psychotherapeutische Sprechstunde am Arbeitsplatz (PT-A) in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Präferenzen der Beschäftigten zu organisatorischen Rahmenbedingungen, Barrieren und aktuelle Einblicke – eine qualitative Studie | |||||||
| URL für Lesezeichen: | https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=72061 | |||||||
| URN (NBN): | urn:nbn:de:hbz:061-20260209-135827-5 | |||||||
| Kollektion: | Dissertationen | |||||||
| Sprache: | Deutsch | |||||||
| Dokumententyp: | Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation | |||||||
| Medientyp: | Text | |||||||
| Autor: | Jebury, Sana [Autor] | |||||||
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| Beitragende: | Prof. Dr. Angerer, Peter [Gutachter] PD Dr. Rademacher, Jörg [Gutachter] | |||||||
| Dewey Dezimal-Klassifikation: | 600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit | |||||||
| Beschreibungen: | Zusammenfassung
Zielstellung: In Deutschland stellen psychische Störungen ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem dar, von dem jährlich 27,7 % der Bevölkerung betroffen sind. Dennoch erhalten viele Betroffene keine adäquate Behandlung. Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen führen häufig zu längeren Fehlzeiten und verursachen erhebliche wirtschaftliche Belastungen. Ein möglicher Ansatz zur Schließung dieser Behandlungslücke ist der Einsatz psychotherapeutischer Ansätze im beruflichen Umfeld. Diese wurden bisher vor allem in Großunternehmen untersucht, wo sie auf breite Akzeptanz stießen. Da jedoch rund 55 % der Beschäftigten in Deutschland in KMU arbeiten, stellt sich die Frage, wie PT-A in diesem Kontext wahrgenommen und umgesetzt werden können. Ziel ist es, die Präferenzen der Beschäftigten in KMU bezüglich der organisatorischen Rahmenbedingungen zu analysieren und mögliche Hindernisse sowie förderliche Faktoren zu identifizieren. Methode: In dieser qualitativen Querschnittsstudie wurden 30 Beschäftigte aus KMU telefonisch anhand halbstrukturierter Interviews befragt, bis die theoretische Sättigung erreicht war. Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte in Zusammenarbeit mit einer quantitativen Studie, wobei die Auswahl anhand der Zugehörigkeit zu KMU und der Zustimmung zur Teilnahme getroffen wurde. Die transkribierten Interviews wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und unter Verwendung der Software MAXQDA ausgewertet, um bestehende Annahmen zu prüfen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Ergebnisse: Flexible Terminoptionen und Sprechzeiten sowie Räumlichkeiten außerhalb der Betriebsstätte sind wichtige Faktoren für die Akzeptanz der PT-A. Ein bevorzugtes Vorgehen umfasst Erstgespräche, die durch individuelle Hilfestellungen und eine qualitativ hochwertige Weitervermittlung ergänzt werden. Eine ausgewogene Kostenverteilung zwischen Arbeitgebern, Krankenkassen und dem Staat wird als praktikabel angesehen, wobei eine moderate Selbstbeteiligung von den Befragten akzeptiert wird. Arbeitgebende können eine Schlüsselrolle dabei spielen, den Zugang zu erleichtern, indem sie offene Kommunikation fördern, neutral gegenüber dem Angebot und den Teilnehmenden bleiben und gezielt die Nutzung des Angebots unterstützen. Anonymität und Vertraulichkeit gelten als unverzichtbar, um Bedenken abzubauen und den Zugang zu erleichtern. Die Befragten schildern, dass die Stigmatisierung psychischer Störungen in der Arbeitswelt weit verbreitet ist, was häufig zu Scham, Isolation und Zurückhaltung im beruflichen Umfeld führt. Sie äußern die Sorge, dass abwertende Reaktionen seitens der Arbeitgeber und des Kollegiums zu Nachteilen im Karriereverlauf führen könnten. Dies trägt dazu bei, dass Hilfsangebote oft gemieden werden. Präventive Maßnahmen für die mentale Gesundheit sind selten vorhanden, und es wird ein Bedarf an Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen seitens der Arbeitgeber festgestellt. Zudem wird der Wunsch nach schnell zugänglicher psychotherapeutischer Unterstützung geäußert, deren Integration als sinnvoll und notwendig betrachtet wird. Von den Arbeitgebern wird erwartet, dass sie die Prävention psychischer Gesundheit ernst nehmen und aktiv fördern. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse verdeutlichen ein erhebliches Interesse und differenzierte Vorstellungen der Befragten hinsichtlich der Ausgestaltung von PT-A in KMU. Um die Implementierung und Nutzung des Angebots zu fördern, müssen die Präferenzen sowie hemmende und förderliche Faktoren aus Sicht der Beschäftigten berücksichtigt werden. Zusätzlich sind umfassende Aufklärungsmaßnahmen über psychische Gesundheit sowie gezielte Entstigmatisierungsstrategien notwendig.Summary Objective: In Germany, mental disorders are a widespread health issue, affecting 27.7% of the population annually. Despite this, many individuals do not receive adequate treatment. Conditions such as depression and anxiety disorders often lead to prolonged absenteeism and impose significant economic burdens. One potential approach to addressing this treatment gap is the implementation of psychotherapeutic interventions in the workplace. These interventions have primarily been studied in large enterprises, where they have enjoyed broad acceptance. However, since approximately 55% of employees in Germany work in small and medium-sized enterprises (SMEs), the question arises as to how psychotherapeutic consultation at work (PT-A) are perceived and implemented in this context. The aim is to analyze employees' preferences in SMEs regarding the organizational framework and to identify potential barriers as well as facilitating factors. Methods: In this qualitative cross-sectional study, 30 employees from SMEs were interviewed by telephone using semi-structured interviews until theoretical saturation was reached. Participant recruitment was conducted in collaboration with a quantitative study, with selection based on SME affiliation and consent to participate. The transcribed interviews were analyzed using qualitative content analysis according to Kuckartz and the MAXQDA software to examine existing assumptions and generate new insights. Results: Flexible scheduling options, consultation hours, and locations outside the workplace are key factors for the acceptance of PT-A. A preferred approach involves initial consultations supplemented by individualized support and high-quality referrals. A balanced cost distribution among employers, health insurance providers, and the government is considered feasible, with moderate co-payments being acceptable to respondents. Employers can play a crucial role in facilitating access by promoting open communication, maintaining neutrality toward the service and its participants, and actively supporting its use. Anonymity and confidentiality are regarded as essential to alleviate concerns and improve access. Respondents reported that the stigmatization of mental health disorders is widespread in the workplace, often leading to feelings of shame, isolation, and reluctance to seek help in professional settings. They expressed concerns that disparaging reactions from employers and colleagues could result in career disadvantages, contributing to the frequent avoidance of support services. Preventive measures for mental health are rarely available, highlighting the need for employer-led awareness and education initiatives. Additionally, there is a strong desire for easily accessible psychotherapeutic support, which is seen as both meaningful and necessary. Employers are expected to take the prevention of mental health issues seriously and to actively promote it. Conclusion: The results highlight a significant need for PT-A in SMEs. To promote the implementation and utilization of the service, comprehensive educational measures on mental health and targeted destigmatization strategies are essential. | |||||||
| Lizenz: | ![]() Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz | |||||||
| Fachbereich / Einrichtung: | Medizinische Fakultät » Institute » Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin | |||||||
| Dokument erstellt am: | 09.02.2026 | |||||||
| Dateien geändert am: | 09.02.2026 | |||||||
| Promotionsantrag am: | 10.09.2025 | |||||||
| Datum der Promotion: | 27.01.2026 |

