Dokument: Der Einfluss einer akuten Alkoholintoxikation auf die Blutgerinnung

Titel:Der Einfluss einer akuten Alkoholintoxikation auf die Blutgerinnung
Weiterer Titel:The influence of acute alcohol intoxication on blood coagulation.
URL für Lesezeichen:https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=71715
URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20260106-110819-5
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Schmölders, Ronja Sabine [Autor]
Dateien:
[Dateien anzeigen]Adobe PDF
[Details]5,24 MB in einer Datei
[ZIP-Datei erzeugen]
Dateien vom 14.12.2025 / geändert 14.12.2025
Beitragende:Prof. Dr. med Hartung, Benno [Gutachter]
Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Boege, Friedrich [Gutachter]
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibungen:Von einer veränderten Blutgerinnung bei alkoholintoxikierten Personen wird seit Langem ausgegangen,
der zugrunde liegende Mechanismus und das Ausmaß sind jedoch bislang unzureichend erforscht.
Es fehlen systematische Untersuchungen zur akuten Wirkung von Ethanol auf die primäre
und sekundäre Hämostase beim Menschen. Ziel dieser prospektiven Studie war es, den Einfluss sehr
hoher Blutalkoholkonzentrationen (BAK) auf verschiedene Parameter der Hämostase zu erfassen
und mögliche diagnostische Lücken in der klinischen Akutversorgung zu identifizieren.
Die Studie wurde interdisziplinär in Zusammenarbeit mit der Zentralen Notaufnahme, dem Zentralinstitut
für klinische Chemie und der Hämostaseologie des Universitätsklinikums Düsseldorf durchgeführt.
Bei alkoholisierten Patient*innen wurden im Rahmen der klinischen Aufnahme Blutproben
entnommen und sowohl Thrombozytenfunktionsanalysen (Multiplate®) und Thromboelastographien
(ROTEM®) als auch laborchemische Gerinnungsparameter erhoben. Zudem wurden die Leberenzyme
bestimmt, um leberbedingte Einflüsse auf die Gerinnung zu berücksichtigen, und die eingenommenen
Medikamente erfasst. Die klinische BAK wurde gemessen, ergänzend diente carbohydrat-
defizientes Transferrin (CDT) als Marker für chronischen Alkoholkonsum.
Die Ergebnisse legen nahe, dass Alkohol die Thrombozytenaggregation signifikant beeinträchtigen
kann, insbesondere bei ADP- und ASPI-Stimulation und bei weiblichen Probanden. Auch bei der
Ratio des vWF zeigte sich eine Tendenz zur Abnahme mit steigender BAK, unabhängig vom Geschlecht.
Thrombelastographie und plasmatische Gerinnungstests zeigten hingegen keine relevanten
Veränderungen. Die negativen Effekte auf die primäre Hämostase verschwanden nach dem Abklingen
der Intoxikation, was auf einen direkten Einfluss von Alkohol auf die Thrombozytenfunktion
hindeutet. In vitro konnten diese Effekte nicht reproduziert werden, was auf zusätzliche vaskuläre
Faktoren schließen lässt.
Diese Befunde unterstreichen die Bedeutung des Alkoholkonsums als relevanter Einflussfaktor auf
die primäre Hämostase. Insbesondere bei notfallmäßigen Interventionen oder Operationen sollte bei
alkoholisierten Patient*innen mit einer erhöhten Blutungsneigung gerechnet werden, zumal Alkohol
häufig mit gerinnungshemmenden Medikamenten kombiniert wird. Eine strukturierte Anamnese,
standardisierte Protokolle und gezielte Gerinnungsdiagnostik können helfen, Risiken frühzeitig zu
erkennen. Künftige Studien sollten insbesondere die geschlechtsspezifischen Unterschiede weiter
beleuchten und praxisnahe Handlungsempfehlungen für die Akutmedizin entwickeln.

The impairment of blood coagulation in alcohol-intoxicated individuals has long been assumed, yet
the underlying mechanisms and its extent remain insufficiently understood. To date, systematic studies
on the acute effects of ethanol on primary and secondary haemostasis in humans are lacking. The
aim of this prospective study was therefore to investigate the impact of very high blood alcohol
concentrations (BAC) on various haemostatic parameters and to identify potential diagnostic gaps in
acute clinical care.
The study was conducted as an interdisciplinary project in cooperation with the emergency department,
clinical chemistry, and haemostasis units at the University Hospital Düsseldorf. Upon clinical
admission, blood samples were collected from intoxicated patients. These were analysed using Multiplate
® aggregometry and thromboelastography (ROTEM®), alongside standard coagulation laboratory
parameters. Liver enzymes were also determined to account for hepatic influences on haemostasis.
BAC levels were measured enzymatically, and carbohydrate-deficient transferrin (CDT) was
used as an additional marker for chronic alcohol consumption. Prescribed medication was documented.
The results suggest that alcohol can significantly impair platelet aggregation, particularly under ADP
and ASPI stimulation and especially in female subjects. The von Willebrand ratio also tended to
decrease with rising BAC, regardless of sex. In contrast, thromboelastography and plasmatic coagulation
tests did not reveal relevant alterations. The negative effects on primary haemostasis resolved
as intoxication subsided, indicating a direct influence of alcohol on platelet function. These effects
could not be reproduced in vitro, suggesting additional vascular mechanisms may be involved.
These findings highlight alcohol consumption as a clinically relevant factor influencing primary haemostasis.
In emergency situations or surgical interventions, intoxicated patients should be considered
at increased risk for bleeding complications, particularly when anticoagulant medications are involved.
Structured history-taking, standardized clinical protocols, and targeted coagulation diagnostics
may help identify risks early and improve patient management. Future studies should further
investigate sex-specific effects and aim to develop practical recommendations for emergency and
perioperative care.
Lizenz:Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät » Institute » Institut für Rechtsmedizin
Dokument erstellt am:06.01.2026
Dateien geändert am:06.01.2026
Promotionsantrag am:22.08.2025
Datum der Promotion:09.12.2025
english
Benutzer
Status: Gast
Aktionen