Dokument: Interpretierbarkeit und Reliabilität in der Neurowissenschaft

Titel:Interpretierbarkeit und Reliabilität in der Neurowissenschaft
Weiterer Titel:interpretability and reliability in neuroimaging
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20260323-111437-9
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Kröll, Jean-Philippe [Autor]
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Dateien vom 05.11.2025 / geändert 05.11.2025
Beitragende:PD Dr. Weis, Susanne [Gutachter]
Univ.-Prof. Dr. med. Dipl.-Inform. Caspers, Julian [Gutachter]
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibungen:Zusammenfassung
Die Entwicklung von Biomarkern auf der Grundlage der Magnetresonanztomographie (MRT) ist
ein ständiges Bestreben auf dem Gebiet der klinischen Neurowissenschaften. Obwohl diese
Biomarker ein großes Potenzial haben, wurden bisher nur wenige für den routinemäßigen klinischen
Einsatz übernommen. Die größten Herausforderungen bei der Umsetzung in die klinische
Anwendung sind die Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Interpretierbarkeit eines Biomarkers. In
dieser Dissertation wird daher ein neues maschinelles Lernverfahren (ML) vorgestellt, das die
Genauigkeit der Diagnose und Prognose einer der häufigsten neurologischen Erkrankungen, der
Alzheimer-Krankheit, durch die Konstruktion komplexer Darstellungen von Basis-Featuren
verbessert. Durch die Verwendung einer kontextfreien Grammatik werden die konstruierten
Repräsentationen gezwungen, menschlich interpretierbar zu bleiben, was die Validierung einer
Beziehung zwischen dem Biomarker und dem vermuteten zugrunde liegenden pathologischen
Korrelat ermöglicht. Darüber hinaus wird untersucht, ob Naturalistic Viewing (NV) Paradigmen
geeignet sind, die für die Entwicklung von Biomarkern wichtigen Eigenschaften von MRTMessungen
zu verbessern, wie z. B. Reliabilität, geringere Variabilität innerhalb von Probanden und
verbesserte Erkennung individueller Unterschiede im Vergleich zu Ruhemessungen (RS). Daher
wird die Wirkung von NV-Stimuli mit unterschiedlichem sozialem Inhalt und unterschiedlicher
Länge in 14 funktionellen Gehirnnetzwerken untersucht. Es wird gezeigt, dass NV-Stimuli,
basierend auf der funktionellen Netzwerkkonnektivität (NFC), die Erkennung von individuellen
Unterschieden in 10 von 14 Netzwerken verbessern, wobei die Stimuli mit dem höchsten Grad an
sozialem Inhalt die größte Verbesserung erzielen. Eine anschließende Analyse bestätigt, dass
Filmstimuli mit einem höheren Maß an sozialem Inhalt ähnliche NFC-Muster hervorrufen, die sich
von RS und einem Stimulus ohne soziale Interaktionen unterscheiden. Darüber hinaus wird gezeigt,
dass NV-Stimuli die Intra-Subjekt-Variabilität in meta-analytischen Netzwerken reduzieren
können, die für die Wahrnehmung und Verarbeitung von Handlungen, Verhalten und Emotionen
wichtig sind. Zusätzlich wird gezeigt, dass NV-Stimuli die Zuverlässigkeit von Graph-Metriken,
die aus NFC extrahiert werden, gegenüber RS erhöhen können. Die Ergebnisse machen jedoch auch
deutlich, dass NV-Stimuli die Metriken nicht uneingeschränkt über das gesamte Gehirn hinweg
verbessern. Insbesondere für Netzwerke, die mit intrinsisch orientierten Funktionen verbunden sind,
erweist sich RS als das zu bevorzugende Paradigma. Daher ist die Auswahl des geeigneten Stimulus
und des funktionellen Netzwerks für die Beantwortung der jeweiligen Forschungsfrage von
entscheidender Bedeutung. Schließlich stellt diese Dissertation einen neuen öffentlich zugänglichen
NV-Datensatz zur Verfügung, um die Wirkung von NV-Stimuli weiter zu analysieren.

The development of magnetic resonance imaging (MRI) based biomarkers is a constant endeavor
in the field of clinical neuroscience. Although these biomarkers hold great potential, only few have
been adopted for routine clinical use. Primary challenges for the translation into clinical use are
accuracy, reliability and interpretability of a given biomarker. Consequently, this dissertation
presents a new machine learning (ML) framework that improves accuracy of diagnosis and
prognosis of one of the most common neurological diseases, Alzheimer’ Disease (AD), by
constructing complex representations of base features. Further, by using a context-free grammar
(CFG), the constructed representations are forced to remain humanly interpretable, thus enabling
the validation of a relationship between the biomarker and the supposed underlying pathologic
correlate. Additionally, it is investigated if naturalistic viewing (NV) paradigms are suited to
improve characteristics of MRI measurements that are important for biomarker development, such
as reliability, reduced intra-subject variability and enhanced detection of individual differences, in
comparison with resting-state (RS). Therefore, the effect of NV stimuli with varying levels of social
content and different lengths is investigated in 14 functional brain networks. It is shown that, based
on network functional connectivity (NFC), NV stimuli improve the detection of individual
differences in 10 out of 14 networks, with the stimuli with the highest level of social content
achieving the most improvement. A subsequent analysis confirms that movie stimuli with higher
levels of social content evoke similar NFC patterns that are distinct from RS and a stimulus lacking
social interactions. Further, it is demonstrated that NV stimuli can reduce intra-subject variability
in meta-analytic networks that are essential for perception and processing of action, behavior and
emotions. In addition, it is shown that NV stimuli can increase the reliability of graph metrics
extracted from NFC, over RS. However, the results also emphasize that NV stimuli do not
unconditionally improve metrics of interest across the whole brain. In particular for networks that
are related to intrinsically oriented functions, RS proves to be the more favorable paradigm.
Therefore, selecting the appropriate stimulus and functional network is essential for addressing the
specific research question at hand. Finally, this dissertation provides a new publicly available NV
dataset to further analyze the effect of NV stimuli.
Lizenz:Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät
Dokument erstellt am:23.03.2026
Dateien geändert am:23.03.2026
Promotionsantrag am:20.05.2025
Datum der Promotion:04.11.2025
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