Dokument: Das Potential der Schuleingangsuntersuchung für die gesundheitswissenschaftliche Forschung

Titel:Das Potential der Schuleingangsuntersuchung für die gesundheitswissenschaftliche Forschung
Weiterer Titel:The potential of the school entrance examination for health science research
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20210315-084434-3
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Lisak-Wahl, Stefanie [Autor]
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Dateien vom 07.03.2021 / geändert 07.03.2021
Beitragende:Prof. Dr. Dragano, Nico [Gutachter]
Prof. Dr. med. Hoffmann, Barbara [Gutachter]
Stichwörter:Gesundheitswissenschaften, Schuleingangsuntersuchung, Rekrutierung, benachteiligte Familien
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibungen:Kindergesundheit in Deutschland ist sozial ungleich verteilt. Zur Verringerung der gesundheitlichen Unterschiede sind Studien notwendig, die die Bedarfe und Bedürfnisse der benachteiligten Familien untersuchen und auf diese Familien zugeschnittene Maßnahmen erproben. Allerdings gestaltet es sich bisher schwierig, benachteiligte Familien für gesundheitswissenschaftliche Studien zu gewinnen. Die Schuleingangsuntersuchung (SEU) als Routinedatenerhebung könnte ein Zugangsweg zu diesen schwer erreichbaren Familien sein.
Daher ist das Ziel der vorliegenden Arbeit, die SEU als Datenquelle für die gesundheitswissenschaftliche Forschung zu erschließen und systematisch die bisherige Nutzung sowie das Potential der SEU für die Gesundheitswissenschaften herauszuarbeiten – unter besonderer Berücksichtigung schwer erreichbarer Familien. Dabei sind drei Fragen zentral: 1. Wie wird die SEU bisher für die gesundheitswissenschaft-liche Forschung genutzt? 2. Wie hoch ist der Rücklauf bei gesundheitswissenschaftlichen Studien im Rahmen der SEU? 3. Können Familien in schwierigen sozioökonomischen Lebenslagen bzw. schwer erreichbare Familien in ausreichendem Maße für gesundheitswissenschaftliche Studien im Rahmen der SEU gewonnen werden?
Auf folgende Weise wurden diese Fragen beantwortet. Zuerst wurde eine systematische Literaturrecherche (Publikation 1) durchgeführt, um eine Übersicht über die empirischen Studien zur Kindergesundheit zu geben, die bislang auf Basis der deutschen SEU publiziert wurden. Als Nächstes wurde eine Pilotstudie im Rahmen der SEU durchgeführt (Publikation 2). Anhand einer kleinen Stichprobe wurden die Rücklaufquote (RR) und Repräsentativität bezüglich Familien in schwierigen sozioökonomischen Lebenslagen bzw. schwer erreichbarer Familien mittels logistischer Regressionen untersucht. Odds Ratios (ORs), dazugehörige 95 % Konfidenzintervalle (95 % KI) und die Irrtumswahrscheinlichkeit wurden berechnet. Zu den Indikatoren für schwer erreichbare Familien zählten Familien mit niedriger Bildung, Alleinerziehende, Erwerbslose und Familien mit Migrationshintergrund. Auf Basis dieser Pilotstudie wurde das Studiendesign angepasst und eine Folgestudie mit größerer Fallzahl durchgeführt (Publikation 3). Auch hier wurden die erzielte Rücklaufquote und Repräsentativität bezüglich schwer erreichbarer Familien analysiert.
Als Ergebnis der systematischen Literaturrecherche wurden 92 Studien auf Basis der SEU zur Kinder-gesundheit zu 16 verschiedenen Zielgrößen identifiziert. Am häufigsten existieren Studien zum Thema Übergewicht und Adipositas. Die meisten Studien verwendeten ein Querschnittsdesign und wurden in englischer Sprache veröffentlicht. Häufig fand eine Kopplung von zusätzlichen Erhebungen an die SEU statt. Im Durchschnitt lag der Rücklauf der Studien bei 75,9 %. Durch die Kopplung zusätzlicher Erhebungen an die SEU besteht die Möglichkeit, eine Vielzahl an Forschungsthemen zu bearbeiten.
Bei der Durchführung der beiden empirischen Studien wurden folgende Ergebnisse gefunden. Die Rück-laufquote in der Pilotstudie betrug 52 %. Bezüglich der Erreichbarkeit erzielte die Rekrutierungsstufe 1 eine Rücklaufquote von 21 %, Stufe 2 von 28 % und Stufe 3 von 4 %. Familien mit niedriger Bildung waren häufiger unter den Nichtteilnehmern (OR 2,2, 95 % KI 1,3-3,6). Bei Erwerblosen, Alleinerziehen-den und Familien mit Migrationshintergrund gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Teilneh-mern und Nichtteilnehmern. In der Folgestudie konnte die Rücklaufquote auf 65,5 % gesteigert werden. Familien mit Migrationshintergrund waren häufiger unter den Teilnehmern (OR 1,27; 95 % KI 1,01-1,60). Familien mit niedriger Bildung und Alleinerziehende wiesen keine signifikanten Unterschiede auf.
Durch die Kopplung zusätzlicher Erhebungen an die SEU besteht also die Möglichkeit, eine Vielzahl von unbearbeiteten Forschungsthemen der Kindergesundheit zu untersuchen. Zufriedenstellende bis hohe Rücklaufquoten wurden durch die systematische Literaturrecherche und die zwei durchgeführten Studien gefunden. In der Pilotstudie zeigten die verschiedenen Rekrutierungswege unterschiedliche Erfolge. Besonders erfolgreich war die Ansprache im Gesundheitsamt vor Ort (Stufe 2), an zweiter Stelle der Fragebogen mit Einladung zur SEU (Stufe 1). In der Pilotstudie waren Familien mit niedriger Bildung seltener unter den Teilnehmern als unter Nichtteilnehmern zu finden. Durch die Änderungen im Design wurden diese Unterschiede nicht mehr beobachtet. Zusätzlich waren Familien mit Migrationshintergrund häufiger unter den Teilnehmern als unter den Nichtteilnehmern zu finden. Für die restlichen Indikatoren schwer erreichbarer Familien wurde kein Unterscheid zwischen Teilnehmern und Nichteilnehmern gefunden. Dies lässt auf eine Repräsentativität für die Gruppen schließen. Auch wenn die SEU sich als guter Zugang zur Zielgruppe der Vorschulkinder erweist, ist ein gewisser Aufwand in der Rekrutierung notwendig. Zudem gibt es kritische Stimmen, die z. B. die geringe Reliabilität und Validität einzelner Tests oder die fehlende Erhebung der Sozialdemografie bemängeln.
Schlussfolgernd kann aus allen drei Publikationen ein hohes Potential der SEU für die gesundheitswissen-schaftliche Forschung abgeleitet werden. Die SEU ermöglicht die Nutzung verschiedener Studiendesigns, zufriedenstellende bis hohe Rücklaufquoten und eine gute Erreichbarkeit benachteiligter Familien. Jedoch müssen Forscher und Forscherinnen abwägen, inwiefern die Voraussetzungen für die Bearbeitung ihrer Forschungsfrage gegeben sind. Dabei dienen diese Dissertation, die in diesem Rahmen durchgeführten Studien und diejenigen der Literaturrecherche als Vorlage für eigene Forschung im Rahmen der SEU.

Child health is socially unequal distributed in Germany. In order to reduce the health differences studies are required to examine the needs and wants of disadvantaged families and to evaluate the interventions tailored to these families. However, it has so far been difficult to motivate disadvantaged families to participate in such health science studies. The school entrance examination (SEE) as a routine data collection could provide access to these hard-to-reach families.
Therefore, the aim of the present dissertation is to unlock the SEE as a data source for health science research and to systematically elaborate the use of the SEE in previous studies as well as the potential of the SEE for the health sciences – by considering hard-to-reach families. In this context three questions are central:
1. How has the SEE been used for health science research so far?
2. How high is the response rate in health science studies in regard to the SEE?
3. Can families in difficult socio-economic situations respectively hard-to-reach families be sufficiently motivated to participate in health science studies regarding the SEE?
These questions were examined as follows. First, a systematic literature review (publication 1) was carried out to give an overview of the empirical studies on child health that have been published on the basis of the German SEE. Next, a pilot study was conducted at the SEE (publication 2). Using a small sample, the response rate (RR) and representativeness regarding hard-to-reach families were examined using logistic regressions. Odds ratios (ORs), associated 95% confidence intervals (95% CI) and the probability of error were calculated. The indicators for hard-to-reach families were families with low education, single parents, unemployed families and families with a migration background. Based on this pilot study the study design was adapted and a second study was carried out with a larger number of cases (publication 3). Again the response rate and representativeness with regard to hard-to-reach families were analysed.
As a result of the systematic literature review 92 studies based on the SEE were identified for 16 different outcomes. The most common outcome was overweight and obesity. Many studies used a cross-sectional design and were published in English. In many cases the SEE was combined with additional surveys. The average response rate of the studies was 75.9%. By combining additional surveys to the SEE it is possible to work on a variety of research topics.
The two conducted studies revealed the following results. The response rate in the pilot study was 52%. In terms of accessibility, recruitment approach 1 achieved a response rate of 21%, approach 2 of 28% and approach 3 of 4%. Families with low education were more often among the non-participants (OR 2.2, 95% CI 1.3-3.6). There was no significant difference between participants and non-participants among unemployed families, single parents and families with a migration background.
In the second study, the response rate was increased to 65.5%. Families with a migration background were more often among the participants (OR 1.27; 95% CI 1.01-1.60). For families with low education and single parents no significant differences were found.
By combining additional surveys with the SEE, it is possible to investigate a large number of research topics. In the systematic literature review and the conducted studies satisfactory to high response rates were achieved. In the pilot study, the three recruitment approaches had varying levels of success. The approach at the local health department (approach 2) was particularly successful, followed by the questionnaire with invitation to the SEE (approach 1). In the pilot study, families with low education were less likely to be among the participants than among non-participants. Due to the changes in the design, these differences were no longer observed in the second study. In addition, families with a migration background were more often among the participants than among the non-participants. No difference was found between participation and non-participants for the remaining indications of hard-to-reach families which suggests that the groups are representative. Even if the SEE provides good access to the target group of preschool children, a certain effort in recruiting is required. In addition, criticism of the SEE includes complaints about the low reliability and validity of individual tests or the lack of a survey of social demographics.
In conclusion, the SEE's high potential for health science research can be derived from all three publications. The SEE enables the use of various study designs, satisfactory to high response rates and easy access to disadvantaged families. However, researchers must gauge to what extent the requirements for their research question are met and this dissertation including the two conducted studies and those of the systematic literature review serves as a template for own research within the SEE.
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät » Institute » Institut für Medizinische Soziologie
Dokument erstellt am:15.03.2021
Dateien geändert am:15.03.2021
Promotionsantrag am:13.07.2020
Datum der Promotion:25.02.2021
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