Dokument: Der Einfluss von Erwartungen an soziale Interaktionspartner auf Kooperations- und Bestrafungsverhalten

Titel:Der Einfluss von Erwartungen an soziale Interaktionspartner auf Kooperations- und Bestrafungsverhalten
URL für Lesezeichen:https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=39610
URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20160915-102037-9
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Mieth, Laura [Autor]
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Dateien vom 13.09.2016 / geändert 13.09.2016
Beitragende: Bell, Raoul [Betreuer/Doktorvater]
Prof. Dr. Buchner, Axel [Gutachter]
Dewey Dezimal-Klassifikation:100 Philosophie und Psychologie » 150 Psychologie
Beschreibungen:Bestimmte Gesichtsmerkmale können die Erwartung auslösen, dass das Gegenüber eher kooperatives als unkooperatives Verhalten zeigen wird. Die vorliegende Dissertation untersucht, welchen Einfluss diese Erwartungen an Interaktionspartner in einem sozialen Dilemmaspiel auf das Kooperations- und Bestrafungsverhalten der Probanden haben. In sechs Experimenten wurden die Merkmale Sympathie des Gesichts (sympathisch vs. unsympathisch), Gesichtsausdruck (lächelnd vs. neutral) und Geschlecht (weiblich vs. männlich) der Spielpartner sowie das Kooperationsverhalten (Kooperation vs. Defektion) dieser Partner in einem sozialen Dilemmaspiel manipuliert. Die Probanden spielten ein Gefangenendilemmaspiel mit ihren Spielpartnern und konnten diese anschließend für ihr kooperatives oder unkooperatives Verhalten bestrafen. Aufgrund von Stereotypen erwartet man von sympathischen, lächelnden oder weiblichen Spielpartnern eher Kooperation als von unsympathischen, neutral schauenden oder männlichen. Wir interessierten uns dafür, ob erwartungsinkongruentes Verhalten der Spielpartner in einer zweiten Spielphase durch die Probanden mehr bestraft wird als erwartungskongruentes Verhalten. Wenn man die Bestrafung über die Durchgänge aggregiert, zeigt sich eine erhöhte Bestrafung für sympathische und lächelnde im Vergleich zu unsympathischen und neutral schauenden Defektierenden sowie für weibliche im Vergleich zu männlichen Defektierenden. Mit Hilfe von multinomialen Verarbeitungsbaum-modellen wurden die Effekte von Kooperations- und Bestrafungsverhalten der Probanden den Spielpartnern gegenüber getrennt voneinander betrachtet. Wie erwartet kooperierten die Probanden mehr mit lächelnden, sympathischen oder weiblichen Spielpartnern (Experimente 1–4). Ebenfalls kooperierten weibliche Probanden mehr mit weiblichen als mit männlichen Spielpartnern, während männliche Probanden keinen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Spielpartnern machten (Experimente 5 und 6). Es zeigten sich keine direkten, negativen Effekte für sympathische, lächelnde oder weibliche Spielpartner in Form von wahrscheinlicherer oder härterer Bestrafung. Die Spielpartner wurden jedoch häufiger moralistisch nach einseitiger Defektion als heuchlerisch nach gegenseitiger Defektion bestraft. Der Effekt von Gesichtsmerkmalen auf die aggregierte Bestrafung lässt sich also allein damit erklären, dass Personen eher mit sympathischen, lächelnden und weiblichen Partnern kooperieren, so dass mehr Gelegenheit für moralistische Bestrafung besteht. Erhöhte Bestrafung von erwartungsinkongruentem im Vergleich zu erwartungskongruentem Verhalten kann demnach durch indirekte statt durch direkte Effekte erklärt werden.

Facial features can lead people to expect cooperation rather than defection from a partner. In the present studies, we investigated the effect of these appearance-based expectations on the participants’ cooperation and punishment behavior in a social dilemma game. In six experiments likability (likable vs. unlikable), expression (smiling vs. neutral), and gender (female vs. male) of the partners’ faces were manipulated, as well as the partners’ behaviors (cooperation vs. defection). Participants played a prisoner’s dilemma game in which they could punish their partners for cooperating or defecting. We assumed that participants would expect cooperation from likable and smiling and female faces to a higher degree than from unlikable, neutral, and male faces. We were primarily interested in whether the appearance-incongruent behaviors would be punished disproportionally more. When the total amount of punishment was aggregated over trials, likable, smiling and female partners were indeed punished more for defection than unlikable, non-smiling and male partners. However, it is necessary to disentangle the effects of cooperation and punishment with a multinomial processing tree model to interpret this finding. These analyses showed that participants cooperated more with likable, smiling and female partners (Experiments 1–4). Moreover female participants cooperated more with female than with male partners, while male participants did not treat female and male partners differently (Experiments 5 and 6). However, likable, smiling or female partners did not receive more or harsher punishment than unlikable, neutral or male faces. The moralistic punishment of partners after unilateral defection was higher than the hypocritical punishment after bilateral defection. Thus, people sometimes cooperate more with others based their facial features as heuristic cues, which then gives people more opportunity for moralistic punishment after the unilateral defection of the other person. In conclusion, indirect rather than direct effects lead to the fact that apparently expectancy-incongruent behavior is punished more than expectancy-congruent behavior. 

Fachbereich / Einrichtung:Mathematisch- Naturwissenschaftliche Fakultät » WE Psychologie » Allgemeine Psychologie und Arbeitspsychologie
Dokument erstellt am:15.09.2016
Dateien geändert am:15.09.2016
Promotionsantrag am:20.07.2016
Datum der Promotion:06.09.2016
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