Dokument: Prognostische Bedeutung klinischer und hämodynamischer Parameter bei Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie (HCM)

Titel:Prognostische Bedeutung klinischer und hämodynamischer Parameter bei Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie (HCM)
URL für Lesezeichen:https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=3688
URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20070215-154420-7
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Rudzki, Kerstin [Autor]
Dateien:
[Dateien anzeigen]Adobe PDF
[Details]1,81 MB in einer Datei
[ZIP-Datei erzeugen]
Dateien vom 07.03.2007 / geändert 07.03.2007
Beitragende:Prof. Dr. Schwartzkopff, Bodo [Gutachter]
Prof. Dr. Korbmacher, Bernhard [Gutachter]
Stichwörter:HCM, hypertrophe Kardiomyopathie, Prognose, Hämodynamik, Klinik, NYHA
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibung:Prognostische Bedeutung klinischer und hämodynamischer Parameter bei Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie (HCM)
(Abstract)

Einleitung :
Bei der hypertrophen Kardiomyopathie handelt es sich um eine primäre Herzmuskelerkrankung mit zumeist asymmetrischer Hypertrophie des interventrikulären Septums, die bei Vorliegen einer Einengung des linksventrikulären Ausflußtraktes mit Ausbildung eines systolischen intraventrikulären Druckgradienten als obstruktive Form (HOCM), und bei Fehlen als nicht obstruktive Form (HNCM) bezeichnet wird. Wesentliche hämodynamische Charakteristika der HCM sind die infolge der zunehmenden Myokardhypertrophie gestörte ventrikuläre Relaxation und erhöhte Ventrikelsteifigkeit mit daraus resultierender diastolischer Funktionsstörung. Häufige klinische Symptome sind Belastungsdyspnoe, Leistungsminderung und pectangiforme Beschwerden.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Bedeutung verschiedener klinischer sowie hämodynamischer Parameter für den weiteren Krankheitsverlauf sowie die Prognose von Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie zu untersuchen. Ergänzend widmeten wir uns der Frage, ob die einzelnen NYHA- Klassen einen Rückschluß auf die hämodynamische Situation der HCM- Patienten zulassen.
Material und Methoden :
177 HCM- Patienten bildeten die Datenbasis für unser 3-jähriges prospektives Studienprotokoll über einen Beobachtungszeitraum von 1997 bis 2000 (113 Männer und 64 Frauen im mittleren Alter von 56,45 ± 15,61 Jahren). Alle integrierten Patienten erhielten sowohl zu Beginn (n=177) als auch am Ende (n=164) der Verlaufs- beobachtung einen standardisierten Fragebogen, der der Erfassung der aktuellen subjektiven Beschwerde-symptomatik und ihrer Veränderungen im Verlauf diente. Die Evaluierung verschiedener objektiver Parameter erfolgte mittels Ruhe- und Langzeit- EKG sowie Echokardiographie sowohl zu Beginn (n=177) als auch am Ende (n=164) der Studie. Einzelne hämodynamische Parameter wurden bei einigen Patienten durch jeweils in Ruhe und unter syptomlimitierter Ergometer- Belastung durchgeführter Einschwemmkatheterisierung und Herzbinnenraum-szintigraphie sowohl 1997 (n=74) als auch 2000 (n=64) bestimmt.
Ergebnisse :
In Bezug auf die Hämodynamik von HCM- Patienten konnten wir zeigen, daß ein Anstieg der NYHA- Klasse mit 1) einem signifikant geringeren Herzindex (in l/min/m2) sowohl in Ruhe (NYHA I: 3,45±0,52 vs. NYHAIII/IV: 2,14±0,52) (p<0,001) als auch unter maximaler Belastung (NYHA I: 7,44 ± 1,31 vs. NYHAII/IV: 5,62 ± 1,21) (p<0,001), 2) einer signifikant geringeren maximal erreichten Wattstufe (in Watt) (102,81±39,5 vs. 67,44±27,02) (p<0,001), 3) einem signifikant höheren mittleren pulmonalarteriellen Druck (in mmHg) in Ruhe (12,4±2,71 vs. 20,29±3,3) (p<0,001) und unter Belastung (30,94±7,21 vs. 42,67±10,09) (p=0,001) 4) einem signifikanten höheren mittleren pulmonalkapillären Druck (in mmHg) in Ruhe (8,69±2,18 vs. 12,64±3,49) (p=0,020) und unter Belastung (22,94±3,87 vs. 30,93±7,31) (p<0,001) sowie 5) einer echokardiographisch meßbaren signifikanten größeren Dicke des interventrikulären Septums (in mm) (17,06±3,59 vs. 21,15±5,09) (p=0,015) einherging. Die Ejektionsfraktion in Ruhe und unter Belastung sowie die Herzfrequenz zeigten hingegen keine Unterschiede. Bei Patienten mit einer Verbesserung des subjektiven Allgemeinzustandes (n=53) im Verlauf ließ sich beim Vergleich 1997 mit 2000 eine signifikante Besserung der klinischen Beschwerden mit seltener beklagter Dyspnoe (Anteil 1997: 67,9% vs. Anteil 2000: 49,1%) (p=0,021) und Angina pectoris- Beschwerden unter Belastung (56,6% vs. 30,2%) (p=0,004) sowie eine Abnahme der mittleren funktionellen NYHA- Klasse (2,34±0,81 vs. 1,87±0,98) (p=0,001), eine höhere maximal erreichte Wattstufe (84,52±34,89 vs. 98,81±29,02) (p=0,012), und ein niedrigerer PC- Druck unter maximaler Belastung (28,76±5,2 vs. 24,48±7,69) (p=0,048) nachweisen. Eine Verschlechterung der klinischen Beschwerdesymptomatik (n=42) zeigte entgegengesetzte Effekte auf.
Vergleiche der 9 innerhalb unseres 3-jährigen Studienzeitraums kardial verstorbenen mit den 164 am Ende noch lebenden Patienten (Verbleib 1 Patientin unklar & 3 nicht-kardial verstorbene) sowie Berechnungen des kumulativen Überlebens verdeutlichten, daß eine hohe NYHA- Klasse (III/IV) (p=0,048), eine niedrige maximal erreichte Wattstufe von < 50 Watt (p=0,021), ein niedriger Herzindex (l/min/m2) in Ruhe (p=0,005) sowie unter Belastung (p=0,042), eine Dicke des IVS von > 20 mm (p=0,009), eine linksatriale Größe von > 48 mm (p=0,023), eine absolute Arrhythmie (p<0,001) und intermittierende ventrikuläre Tachykardie (p<0,001) im Langzeit-EKG sowie ein weibliches Geschlecht (p=0,041) bei Patienten mit einer HCM mit einer schlechteren Prognose einhergeht. Der Nachweis eines oder mehrerer dieser prognostisch ungünstigen Parameter bei den HCM- Patienten (n=147) war mit einer mittleren Absterberate von 2,04%/Jahr verbunden, wohingegen alle HCM Patienten ohne nachweisbaren Risikofaktor (n=24) am Ende unserer 3-jährigen Verlaufsbeobachtung noch lebten.
Schlussfolgerung :
Der Grad der funktionellen NYHA- Klasse läßt eine Schlußfolgerung auf die körperliche und hämodynamische Situation der HCM- Patienten zu. Wesentlich sind dabei die maximal erreichte Wattstufe, die Druckverhältnisse im kleinen Kreislauf, der Herzindex in Ruhe und unter Belastung sowie die Dicke des interventrikulären Septums.
Subjektiv empfundene Abweichung des Allgemeinzustandes korrelierten mit objektivierbaren klinischen und hämodynamischen Modifikationen. Unsere Daten deuten ferner auf eine schlechtere klinische sowie hämodynamische Ausgangssituation der weiblichen HCM- Patienten hin. Neben den bisher bekannten Risikofaktoren der HCM, gelang es uns erstmals einen hämodynamischen Parameter, nämlich einen verminderten Herzindex, als einen wesentlichen prognostischen Parameter zu identifizieren.
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät
Dokument erstellt am:13.02.2007
Dateien geändert am:07.03.2007
Promotionsantrag am:08.09.2006
Datum der Promotion:17.01.2007
english
Benutzer
Status: Gast
Aktionen