Dokument: Psychosoziale Arbeitsbelastungen als Risikofaktoren depressiver Störungen: der Einfluss des arbeits- und sozialpolitischen Kontextes

Titel:Psychosoziale Arbeitsbelastungen als Risikofaktoren depressiver Störungen: der Einfluss des arbeits- und sozialpolitischen Kontextes
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20160118-095701-6
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Lunau, Thorsten [Autor]
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Dateien vom 15.01.2016 / geändert 15.01.2016
Beitragende:Prof. Dr. Dragano, Nico [Gutachter]
Prof. Dr. med. Angerer, Peter [Gutachter]
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibung:Hintergrund: Depressive Störungen sind weltweit die häufigsten psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter. Für die europäischen Länder wird etwa eine 12-Monats-Prävalenz der Major Depression von rund 7 % angegeben. Neben verschiedenen anderen Einflussfaktoren, wie z. B. genetischen, neurobiologischen und psychischen Faktoren, konnten auch psychosoziale Arbeitsbelastungen, wie ein Ungleichgewicht zwischen Verausgabung und Belohnung (effort-reward imbalance), geringe Kontrolle über die Arbeitsinhalte und eine schlechte work-life balance, als Risikofaktoren identifiziert werden. Arbeitsbezogene Public Health Maßnahmen könnten demnach einen Beitrag zur Präven-tion der Depression leisten. Solche Maßnahmen können jedoch nicht nur auf der individuellen und betrieblichen Ebene angesiedelt sein. Denkbar ist es auch durch bestimmte politische Rahmensetzungen nachhaltige soziale und strukturelle Veränderungen zu erreichen, um die Arbeitsbedingungen einer Vielzahl von Menschen zu verbessern.
Fragestellung: Diese Arbeit soll neue Erkenntnisse zum komplexen Einfluss des politischen Kontextes auf bestimmte psychosoziale Arbeitsbelastungen liefern, die als Risikofaktoren für depressive Störungen gelten. Konkret sollen drei Hypothesen untersucht werden: bestimmte arbeits- und sozialpolitische Maßnahmen verringern (1) die Prävalenz sowie (2) die sozial ungleiche Verteilung psychosozialer Arbeitsbelastungen und (3) können die Wirkung von psychosozialen Arbeitsbelastungen abschwächen, so dass trotz Belastung seltener depressive Störungen entstehen.
Methodik: Um die aufgeworfenen Fragestellungen zu untersuchen, werden vier internationale Studien verwendet. Der European Working Conditions Survey (EWCS), der Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE), die English Longitudinal Study of Ageing (ELSA) und die Health and Retirement Study aus den USA (HRS). Sie basieren jeweils auf repräsentativen Erhebungen, beinhalten eine Vielzahl von gesundheits- und arbeitsbezogenen Fragestellungen und sind damit geeignet, die aufgeworfenen Hypothesen empirisch zu untersuchen.
Ergebnisse: Im Hinblick auf die Frage, ob der politische Kontext einen Einfluss auf die Prävalenz psychosozialer Arbeitsbelastungen ausübt, konnte gezeigt werden, dass in den skandinavischen Ländern, in denen eine Reihe von Programmen zur Vereinbarkeit von Arbeit und Familie existieren, die berichtete work-life balance insbesondere bei Männern besser ausfällt als in den anderen Wohlfahrtsstaatstypen. Beschäftigte in den süd- und osteuropäischen Wohlfahrtsstaatsregimen weisen explizit schlechte work-life balance Werte auf. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass in Ländern, in denen mehr in arbeits- und sozialpolitische Maßnahmen investiert wird, insgesamt niedrigere Arbeitsbelastungen (effort-reward imbalance, geringe Kontrolle) berichtet wurden. Im Hinblick auf die Frage der sozial ungleichen Verteilung psychosozialer Arbeitsbelastungen zeigen die Ergebnisse, dass es insbesondere Personen mit niedriger Bildung sind, die psychosoziale Arbeitsbelastungen (effort-reward imbalance, geringe Kontrolle) berichten. Länder, in denen verhältnismäßig viel in aktive Arbeitsmarktpolitik investiert wird und in denen ein hoher Anteil der Erwerbstätigen an Bildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnimmt weisen allerdings geringere Ungleichheiten auf als Länder, in denen dies nicht der Fall ist. Zusätzlich konnten die Ergebnisse Hinweise liefern, dass bestimmte politische Maßnahmen den Effekt von effort-reward imbalance auf depressive Symptome abschwächen könnten.
Schlussfolgerung: Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass arbeits- und sozialpolitische Maßnahmen einen Einfluss auf die Prävalenz, die soziale ungleiche Verteilung und die Auswirkungen von psychosozialen Arbeitsbelastungen, auf die psychische Gesundheit haben.
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät » Institute » Institut für Medizinische Soziologie
Dokument erstellt am:18.01.2016
Dateien geändert am:18.01.2016
Promotionsantrag am:30.04.2015
Datum der Promotion:08.12.2015
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