Dokument: Hyponatriämie bei stationären psychiatrischen Patienten: Eine retrospektive Datenerhebung

Titel:Hyponatriämie bei stationären psychiatrischen Patienten: Eine retrospektive Datenerhebung
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20121221-150049-2
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Gillmann, Andreas [Autor]
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Dateien vom 21.12.2012 / geändert 21.12.2012
Beitragende:PD Dr. med. Lange-Asschenfeldt, Christian [Gutachter]
Prof. Dr. Kojda, Georg [Gutachter]
Dewey Dezimal-Klassifikation:600 Technik, Medizin, angewandte Wissenschaften » 610 Medizin und Gesundheit
Beschreibung:Die Hyponatriämie ist eine der häufigsten Elektrolytstörungen im klinischen Alltag, sowohl in allgemeinen als auch in psychiatrischen Kliniken. Im Rahmen einer Hyponatriämie entwickeln sich aufgrund einer intrazellulären osmotischen Flüssigkeitsverschiebung im ZNS insbesondere neuropsychiatrische Symptome, die mit Manifestationskinetik und Ausprägungsgrad der Hyponatriämie korrelieren. Eine Hyponatriämie kann im Rahmen einer unerwünschten Arzneimittelwirkung (UAW) verschiedener internistischer und psychiatrischer Medikamente, aber auch unmittelbar als Komplikation einer psychiatrischen Störung (z. B. Alkoholabhängig-keit, Polydipsie bei Schizophrenie, Essstörung u. a.) auftreten. Bezüglich der arzneimittelinduzierten Hyponatriämie im Sinne einer UAW existieren unterschied-liche Pathomechanismen, von denen das SIADH am häufigsten ist. Da es bisher trotz vieler anekdotischer Berichte noch vergleichsweise wenig systematische Daten zur differenziellen Prävalenz bei den unterschiedlichen Psychopharmaka bzw. Psychopharmakagruppen gibt, wurde in der vorliegenden Dissertation anhand einer retrospektiven Aktenanalyse einer unselektierten stationären Patientenpopulation zum einen dieser Frage nachgegangen sowie zum anderen Risikofaktoren einzugrenzen versucht.

Konkret wurden die Akten von 7113 stationär behandelten Patienten des LVR-Klinikums – Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im 3-Jahreszeitraum von 2004 bis 2006 ausgewertet. Hierbei wurden N = 347 Hyponatriämiefälle (Fallstichprobe; 4,9% Prävalenz) detektiert und mittels einer zu diesem Zweck erstellten Datenmaske charakterisiert.
Die erhobenen Daten zeigten, dass von einer Hyponatriämie in der vorliegenden Stichprobe stationär behandelter psychiatrischer Patienten Frauen im Verhältnis zu Männern sowie ältere Patienten (≥ 60 Jahre) im Verhältnis zu jüngeren jeweils etwa doppelt so häufig vorkamen. Weibliches Geschlecht und höheres Lebensalter zeigten sich als Risikofaktoren darüber hinaus synergistisch im Sinne einer weiteren relativen Prävalenzerhöhung bei älteren Frauen. Über Dreiviertel der Betroffenen wiesen eine leichte Hyponatriämie ([Na+] 134 – 130 mmol/l) auf, 20% eine mittelgradige und mit 2 % ein lediglich sehr kleiner Anteil eine schwere Ausprägung (< 120 mmol/l). Hinsichtlich der psychiatrischen Diagnosen waren in der Fallstichprobe geordnet nach abnehmender Häufigkeit depressive Störungen, Alkoholabhängigkeit, Demenz und Schizophrenie vertreten. Bei insgesamt 74% der Patienten aus der Fallstichprobe lagen gemäß einer operationalisierten Analyse der Verlaufsdokumentation Symptome vor. Bei der überwiegenden Mehrheit der symptomatischen Patienten lagen neuropsychiatrische Symptome vor, speziell bei etwa der Hälfte Verwirrtheit und bei etwa einem Viertel Bewusstseinstrübung.

Hinsichtlich der Hyponatriämieprävalenzen zeigten sich bei den Antidepressiva solche über dem Durchschnitt für Paroxetin und Escitalopram (Stoffgruppe der SSRI) sowie Venlafaxin (SNRI), wobei die Gruppe der SSRI überraschenderweise insgesamt unter dem Durchschnitt lag und in der gleichen Größenordnung wie die TZA. Ebenfalls überraschend hatte das Antidepressvum Trazodon in dieser Wirkstoffgruppe die höchste Prävalenz einer Hyponatriämie und die zweithöchste überhaupt. Bei den Antikonvulsiva wiesen Oxcarbazepin (höchste Prävalenz einer Einzelsubstanz in der Fallstichprobe insgesamt) und Carbamazepin sehr hohe Prävalenzwerte für Hyponatriämie auf. Bei den Antipsychotika konnten für die Gruppe der konventionellen Antipsychotika bei nahezu jeder Einzelsubstanz erhöhte Hyponatriämieprävalenzen ermittelt werden, bei den Atypika nur bei Risperidon. Insgesamt fanden sich klinisch relevante (mittelschwere und schwere) Hyponatriämien in der zu Grunde liegenden Fallstichprobe signifikant häufiger bei Patienten mit hoher Anzahl verordneter Medikamente, insbesondere, wenn es sich um internistische oder Risikomedikation für das Auftreten einer Hyponatriämie handelte, und weiterhin als Trend bei solchen Patienten mit größerer Anzahl internistischer Begleitdiagnosen.

Die Ergebnisse dieser Studie sprechen dafür, dass es sich bei der Hyponatriämie bei stationären psychiatrischen Patienten bzw. unter Psychopharmaka um eine häufige und klinisch relevante Sekundärerkrankung handelt mit einem abgrenzbaren Risikoprofil und deutlich unterschiedlicher Auftretenswahrscheinlichkeit unter den verschiedenen Psychopharmaka und Wirkstoffgruppen. Zur Absicherung dieser Befunde sind weitere kontrollierte Untersuchungen wünschenswert sowie darauf aufbauend aufgrund der klinischen Relevanz auch Therapiestudien, z. B. mit Vasopressinantagonisten.
Fachbereich / Einrichtung:Medizinische Fakultät
Dokument erstellt am:21.12.2012
Dateien geändert am:21.12.2012
Promotionsantrag am:03.01.2012
Datum der Promotion:04.12.2012
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