Dokument: Krankenhaus und lokale Politik um 1800. Das Beispiel
Düsseldorf 1770-1850

Titel:Krankenhaus und lokale Politik um 1800. Das Beispiel
Düsseldorf 1770-1850
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20020205-000304-5
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Dross, Fritz [Autor]
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Dateien vom 09.02.2007 / geändert 09.02.2007
Beitragende:Prof. Dr. Dr. Labisch, Alfons [Gutachter]
Prof. Dr. Molitor, Hansgeorg [Gutachter]
Stichwörter:Düsseldorf, Armenwesen, Gesundheitswesen,Hospital, Krankenhaus, Sozialgeschichte der Medizin, Geschichte 1750-1850Duesseldorf, poor relief, medical care, health care, hospital, socialhistory of medicine, history 1750-1850
Dewey Dezimal-Klassifikation:900 Geschichte und Geografie
Beschreibungen:Die Perspektive der Dissertation über Krankenhaus und lokale Politik
um 1800 zielt auf die historischen Umstände, unter denen neue Formen
der Heilbehandlung gesellschaftlich und politisch akzeptabel wurden. Im
Mittelpunkt stehen die Verhandlungen, die zur Einrichtung des ersten
Armenkrankenhauses in Düsseldorf um 1800 führten. Der Kranke
allein ist arm - so formulierte der Berliner Arzt Christoph Wilhelm
Hufeland im Jahr 1809 ein lange Zeit gültiges Paradigma der
öffentlich finanzierten Krankenpflege. Armut sei relativ, Krankheit
absolut; Maßnahmen zur heilenden, Krankheiten möglichst bald
beendenden Krankenpflege seien demnach vom modernen Staat zugunsten
seiner Untertanen bedingungslos zu fordern. Über die strukturelle
und individuelle Qualifikation Armer zum Empfang öffentlich
finanzierter Unterhaltsleistungen sowie über deren Art und Umfang
wird gestritten, seit Armenpflege als öffentliche Aufgabe verstanden
und betrieben wird. Der Anspruch eines ernsthaft Erkrankten auf eine im
Zweifelsfall öffentlich finanzierte Heilbehandlung wird dagegen kaum
angezweifelt. Als modernen (westlichen) Industriegesellschaften typische
Institution rationalisierter Heilbehandlung kann das Krankenhaus
angesehen werden, das als Ausdruck hochtechnisierter Medizin schlechthin
gilt. Das Krankenhaus wird als historische Institution diskutiert, die
der möglichst effizienten Wiederherstellung von
Arbeitsfähigkeit und damit der konkreten Armenpflege gewidmet ist.
Die Untersuchung setzt mit dem ersten bekannten Versuch in den 1770er
Jahren ein, eine neuartige Form der Krankenbehandlung, die als
Krankenhaus interpretiert werden kann, in Düsseldorf
einzuführen. Sie endet in den 1850er Jahren, als die Notwendigkeit
eines Allgemeinen Krankenhauses nicht mehr debattiert wurde. Es wird eine
Perspektive gewählt, die nicht einen Krankenhausgründungsakt
als Startlinie begreift, sondern Momente aufspürt, welche die
Erfindung des Krankenhauses nahelegten. Ein zentrales Interesse der
Studie betrifft nicht realisierte Versuche, ein Krankenhaus in
Düsseldorf zu gründen. Lokale Politik wird als
Verhandlungsrahmen begriffen, innerhalb dessen die Errichtung eines
Krankenhauses in Düsseldorf diskutabel war. Dabei ist von besonderem
Interesse, daß dieser Verhandlungsrahmen im Zeitalter von
Aufklärung, Französischer Revolution und Etablierung
preußischer Herrschaft am Rhein einem fundamentalen Wandel
unterlag. Er unterwarf Stadt und Land schnell wechselnden
Staatlichkeiten, Herrschern und politischen Gremien und machte sie mit
neuen Ideen von politischer Teilhabe und Verantwortung sowie dem
Entstehen einer (politischen) Öffentlichkeit bekannt. Am Beispiel
der Verhandlungen zum Thema Krankenhaus wird die sattelzeitliche Genese
des Politischen in seiner modernen, bürgerlichen Form diskutiert.
Während der epistemologische Wandel der Medizin die Geburt der
Klinik (Michel Foucault) plausibel erklärt, stehen in der
Dissertation die Übersetzungsprozesse zwischen Medizin und
Gesellschaft im Mittelpunkt. Diese haben eine Institution zum Gegenstand,
welche Armut bekämpfen helfen könne, indem sie Erkrankten die
Fähigkeit zurückgebe, ihren Lebensunterhalt durch als Leistung
interpretierte Erwerbsarbeit unabhängig von öffentlichen
Unterstützungen zu verdienen. Regierungsbehörden, Beamte,
Ärzte und eine frühe bürgerliche Öffentlichkeit
stehen sich als Verhandlungspartner gegenüber. Unter der
Maßgabe, diese Verhandlungen als das Einüben einer Vorstellung
zu verstehen, diskutiert die Studie Medikalisierung als zentralen Teil
sattelzeitlicher Prozesse sozialer Disziplinierung.

The thesis on hospitals and local policy around 1800 explores
the historical circumstances, which generated demand for and
acceptance of new forms of public welfare. Special attention
is given to the negotiations preceding the establishment of
the first hospital for the poor and sick in Düsseldorf.
Central government, local authorities and a bourgeois public
argued about the best way to combat mendicancy and empoverishment
forced by sickness. The career of the idea of the modern hospital
depended on widely shared opinions on the causes of social poverty
and hence the correlation between health care provision, poor
relief and public welfare. Only the sick are poor - this long
time valid paradigm concerning publicly financed nursing
was formulated by Christoph Wilhelm Hufeland in 1809. Measures
to cure sickness and diseases as soon as possible were therefore
unconditionally expected of the modern state. The thesis
discusses the hospital as a historical institution dedicated to
the most efficient re-creation of the ability to work of the
(labouring) poor. The investigation chronologically covers
the period between mid 18th and mid 19th century.
Beginning with the first attempt to introduce a new form of
health care provision in the 1770s it ends in the 1850s, when
the necessity to
establish a general hospital was not discussed any more. While
the epistemological change of medicine led to the Birth of the
Clinic (Michel Foucault), the processes of translation between
medicine and society are focussed on in this study. The discussion
about changed functions of nursing the poor tries to point out
situations which suggested the invention of the modern hospital.
Local policy is understood as a framework of negotiations in which
the establishment of a hospital was considerable. This framework
underwent fundamental changes in the age of the atlantic revolution, the
development of a public sphere and the establishment of Napoleonic, then
Prussian rule over the Rhenish territories. Government authorities,
officials, physicians and an early civil public, the hospital
administration, the hospital priests and of course the hospital patients,
faced each other as partners in negotiations. These can serve as an
example of the genesis of politics in its modern meaning as a public
competition of private and group-related interests and opinions.
Fachbereich / Einrichtung:Sonstige Einrichtungen/Externe
Dokument erstellt am:05.02.2002
Dateien geändert am:12.02.2007
Promotionsantrag am:05.02.2002
Datum der Promotion:05.02.2002
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