Dokument: Psychophysik willkürlicher Bewegungen:
Kinästhesie der Geschwindigkeit. Eine neuartige Methode zur erstmaligen
Erhebung von Unterschiedsschwellen in der kinästhetischen Wahrnehmung der
Geschwindigkeit von willkürlich ausgeführten Armbewegungen.

Titel:Psychophysik willkürlicher Bewegungen:
Kinästhesie der Geschwindigkeit. Eine neuartige Methode zur erstmaligen
Erhebung von Unterschiedsschwellen in der kinästhetischen Wahrnehmung der
Geschwindigkeit von willkürlich ausgeführten Armbewegungen.
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URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20011126-000135-6
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor: Müller, Stefan [Autor]
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Dateien vom 09.02.2007 / geändert 09.02.2007
Beitragende:Prof. Dr. Wist, E.R. [Gutachter]
Prof. Dr. Buchner, Axel [Gutachter]
Stichwörter:Kinästhesie der Geschwindigkeit, aktive Psychophysik,Unterschiedsschwelle, Gliedmaßenbewegung, Eigenbewegung, monetäreVerstärkung, Muskelspindel, Somatosensorik, Wahrnehmungkinesthesis,velocity, active psychophysic, difference threshold, active limb movement,monetary reward, reinforcement, muscle spindle, somesthesis, perception
Dewey Dezimal-Klassifikation:500 Naturwissenschaften und Mathematik
Beschreibung:Wie gut werden Unterschiede in der Geschwindigkeit der eigenen
Gliedmaßenbewegungen wahrgenommen? Die Kinästhesie der Geschwindigkeit als
eigenständige Sinnesleistung fand trotz sowohl diesbezüglicher
neurophysiologischer Kenntnisse als auch der phänomenologischen
Trennbarkeit der Wahrnehmung einer Bewegung von der Stellung der
Gliedmaßen durch Reizung der Muskelspindelrezeptoren bislang keine
psychophysische Beachtung. Ein Grund liegt darin, daß die Rolle
sensorischer Afferenzen für die Wahrnehmung von Gliedmaßenbewegungen bis
heute umstritten ist. Ein weiterer Grund ist, daß kinästhetische Schwellen
nur mit willkürlichen Bewegungen sinnvoll zu bestimmen sind, da die
Empfindlichkeit der verantwortlichen Muskelspindelrezeptoren über die
intrafusale Muskulatur efferent gesteuert wird. Klassische psychophysische
Verfahren sind folglich nicht anwendbar. Vorgestellt wird eine in drei
aufeinander aufbauenden Experimenten entwickelte Methode 'aktiver
Psychophysik', mit der die Versuchspersonen (Vpn) gleichzeitig als
'Stimulusgenerator' und als 'Beurteiler' dienten und mit der erstmals
kinästhetische Unterschiedsschwellen für die Geschwindigkeit von
Gliedmaßenbewegungen erhoben wurden. Aufgezeichnet wurden einfache
Extensionsbewegungen des Unterarms, die rein kinästhetisch kontrolliert,
d. h. ohne taktile, visuelle, auditive oder anderweitige Rückmeldung, mit
einer konstanten Geschwindigkeit ausgeführt, eine vorgegebene
Zielgeschwindigkeit so exakt wie möglich treffen sollten ('efferente
Aufgabe'). Im Anschluß an jede Bewegung beurteilten die Vpn die soeben
produzierte Geschwindigkeit im Vergleich zur Zielgeschwindigkeit
('afferente Aufgabe'). In Experiment 2 und 3 wurden nach dem Urteil die
produzierte und die Zielgeschwindigkeit in Form von Steigungsgeraden auf
einem Monitor dargeboten. Der visuelle Vergleich der beiden
Steigungsgeraden diente als Rückmeldung über die Bewegungsgeschwindigkeit
und die Richtigkeit des Urteils. Die mittlere 75 %-Unterschiedsschwelle
für die 12 Vpn aus Experiment 3 stieg linear mit der Zunahme der
Zielgeschwindigkeit von 1,15 cm/s (10 cm/s), auf 1,71 cm/s (20 cm/s) und
2,36 cm/s (30 cm/s) an. Die entsprechenden Weber-Quotienten betrugen 0,12,
0,09 und 0 Die Ergebnisse von Experiment 1 und 2 schienen die weit
verbreitete Auffassung zu bestätigen, daß die Geschwindigkeit von
Gliedmaßenbewegungen kinästhetisch nur sehr begrenzt unterscheidbar ist.
Entscheidend für den Erfolg in Experiment 3 ist ein 'Bonus-System'
monetärer Verstärkung, mit dem die Vpn mit jeder Bewegung einen Geldbetrag
erwirtschaften konnten und das dem Experiment den Charakter eines
'Geschicklichkeitsspiels' verlieh. Es belohnte zum einen für jede
einzelne Bewegung sowohl die Annäherung an die Zielgeschwindigkeit als
auch das Fällen eines richtigen Urteils. Zum anderen ging in die Belohnung
die Gesamtleistung sowohl für ein ausgewogenes Verhältnis an
'schneller'- zu 'langsamer'-Urteilen als auch für einen Mindestanteil
an richtigen Urteilen mit ein. Nach unserer Kenntnis repräsentieren diese
Daten die erste Bestimmung von Unterschiedsschwellen für die
kinästhetische Wahrnehmung der Geschwindigkeit der eigenen
Gliedmaßenbewegungen. Zum einen wurde die Möglichkeit und Notwendigkeit
der psychophysischen Untersuchung von willkürlichen Bewegungen dargelegt,
zum anderen wurde der maßgebliche Einfluß der Konsequenz eines Urteils für
die Vpn auf die Wahrnehmungsleistung gezeigt. Diese neuartige Methode zur
Bestimmung von Unterschiedsschwellen belegt und quantifiziert erstmals die
kinästhetische Wahrnehmbarkeit der Geschwindigkeit der eigenen
Gliedmaßenbewegungen und eröffnet neue Möglichkeiten zur Erfassung der
sensomotorischen Leistungsfähigkeit, deren Kenntnis und Verständnis zum
Lernen und Wiedererlernen sowohl alltäglicher als auch spezieller
Bewegungsabläufe bedeutsam ist.
Fachbereich / Einrichtung:Mathematisch- Naturwissenschaftliche Fakultät
Dokument erstellt am:26.11.2001
Dateien geändert am:12.02.2007
Promotionsantrag am:26.11.2001
Datum der Promotion:26.11.2001
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