Dokument: Polen und sein Osten am Vorabend einer Katastrophe. Der große Kosaken- und Bauernaufstand des Jahres 1648.

Titel:Polen und sein Osten am Vorabend einer Katastrophe. Der große Kosaken- und Bauernaufstand des Jahres 1648.
Weiterer Titel:Poland and his East on the eve of a catastrophe. The Great Cossack and peasant uprising in the year 1648.
URL für Lesezeichen:https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=11916
URN (NBN):urn:nbn:de:hbz:061-20090706-114850-2
Kollektion:Dissertationen
Sprache:Deutsch
Dokumententyp:Wissenschaftliche Abschlussarbeiten » Dissertation
Medientyp:Text
Autor:Dr. Friedl, Robert [Autor]
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Dateien vom 30.06.2009 / geändert 30.06.2009
Beitragende:Prof. Dr. Hecker, Hans [Betreuer/Doktorvater]
Prof. Dr. Molitor, Hansgeorg [Gutachter]
Stichwörter:Geschichte, Polen, Polen Sozialgeschichte 1569-1648, Polen Wirtschaftsgeschichte 1569-1648, Ukraine, Kosaken, Kosakenaufstand, Juden, Arenda, Polen Adel, Polen Konfessionen
Dewey Dezimal-Klassifikation:900 Geschichte und Geografie » 940 Geschichte Europas
Beschreibung:Die Dissertation setzt sich mit der Genese des Aufstandes von 1648, eines der größten Ereignisse in der polnischen und der ukrainischen Geschichte, auseinander. Zu diesem Thema existiert bereits zahlreiche Literatur, die mehr auf den Verlauf des Aufstandes fokussiert. Kosaken und Juden bilden zwei Hauptelemente der Dissertation. Deren Darstellung ist in der Literatur oftmals apologetisch. Die Recherche brachte zahlreiche Archivalien hervor, die diese in der Literatur eingebürgerten Meinungen widerlegen. Die ermittelten Aufstands-Ursachen bildeten ein kompliziertes Geflecht, dem außen- und innenpolitische Ereignisse sowie soziale und wirtschaftliche Umbrüche zugrunde lagen. In der Arbeit wurde die Entstehungsgeschichte des Kosakentums mit entsprechenden Gesetzen und Vereinbarungen erforscht. 1539 wurde ein Privileg erlassen, in dem die Gerichtsbarkeit über die Juden den adligen Eigentümern der privaten Städte zugesprochen wurde. Dieses Privileg wurde im Laufe der Zeit zur Grundlage für die Verbreitung der Juden im ganzen Land. Nach 1569 setzte die von ruthenischen Fürsten und Bojaren geförderte starke Kolonisation in deren ukrainischen Ländereien ein. Den Bauern, die dort 20-30 Befreiungsjahre erhielten, folgten die Juden, die in den ethnisch polnischen Gebieten immer mehr Restriktionen erfuhren. Ein anderes Problem stellt die enorme Veränderung innerhalb des Adelsstandes in den Jahren vor dem Aufstand 1648 dar. Diese Veränderungen datieren erstmalig in die Zeit der Reformation, die auch Litauen (inklusive der Ukraine) erfasste. Die beiden konfessionellen Blöcke: der Katholizismus im Westen und die Orthodoxie im Osten wurden durch die Verbreitung des Protestantismus zerschlagen. Die Annahme des Protestantismus durch mehrere Bojarenfamilien entzog der Orthodoxie die Existenzgrundlage. Dem Scheitern des Protestantismus in Polen-Litauen folgte die Annahme des Katholizismus durch den Adel. Die Situation komplizierte zusätzlich das Aussterben von mehreren einheimischen Familien und die Besetzung deren Stellung durch ihre polnischen Nachfahren. In der Zeit wurde die Begriff der polnischen katholischen Adligen als Herren stigmatisiert. Die analysierten Archivalien der Adelsfamilien erlauben einen Einblick in die inneren Angelegenheiten der Verwaltung und bringen viele neue Erkenntnisse in die Erforschung der Genese des Aufstandes. Aufgrund dieser Wirtschaftsakten lässt sich das Leben einer Dorf- bzw. Stadtgemeinde mit ihren jüdischen Arendatoren rekonstruieren. Besonders wichtig für die Rekonstruktion sind vor allem die Namens- und Steuerregister. Die Entwicklung der agrarischen Pachtwirtschaft (Arenda) setzte bereits zu Anfang des 16. Jahrhunderts ein. Der Ausbau des Vorwerksystems mit Pachtzins und Scharwerk führte zur Mehrbelastung der Bauern bei gleichzeitiger Steigerung der Frondienste. Zur Verschlechterung der Wirtschaftslage trug noch maßgeblich der Wegfall der Exportmärkte in Westeuropa (der Dreißigjährige Krieg) bei. Die Entwicklung der vormodernen antisemitischen Tendenzen in der Bevölkerung symbolisieren antijüdische Schriften (Flugblätter, Broschüren, Pasquillen) dar. Sie konnten sich in der Gesellschaft einbürgern und trugen zum Entwicklung der antijüdischen Stimmung bei. Daher entfachte der Kosakenaufstand anschließend den Bauernaufstand. Der Verlauf der ersten Phase des Aufstandes (bis August 1649) und seine Folgen schließen die Dissertation ab. Auch hier zeigt die Arbeit neue Facetten und Aspekte in der Genese des Aufstandes, die aus der sozialkritisch-historischen Perspektive untersucht werden.
Fachbereich / Einrichtung:Philosophische Fakultät » Historisches Seminar » Abteilung für Osteuropäische Geschichte (V)
Dokument erstellt am:06.07.2009
Dateien geändert am:30.06.2009
Promotionsantrag am:24.11.2004
Datum der Promotion:06.12.2005
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